Douglas Costa war bei den Bayern als Ergänzung gedacht, gegen den HSV zeigt er seine besonderen ...
Ein Schnäppchen für 30 Millionen Euro

Die Hamburger Michael Gregoritsch (links) und Dennis Diekmeier (rechts) versuchen Douglas Costa zu stellen. Vergeblich. Der Brasilianer im Bayern-Trikot war einfach schneller. Bild: dpa
München. Dennis Diekmeier war danach immer noch völlig durch den Wind: "Ich bin ja ziemlich schnell", erklärte der HSV-Rechtsverteidiger und schüttelte ungläubig den Kopf. "Aber das ist schon eine Rakete." Die Rakete hat einen Namen, heißt Douglas Costa und ist schon nach seinem ersten Bundesligaspiel auf dem Weg, Bayerns neuer Überflieger zu werden. Mit 5:0 (1:0) besiegten die Münchener am Freitag im Auftaktspiel der Bundesliga den Hamburger SV. Nichts besonderes, nicht mal die Höhe des Ergebnisses. Das Besondere war dieser Brasilianer, der wie ein Irrwisch durch die HSV-Reihen fegte.

Douglas Costa, der Neuzugang von Schachtjor Donezk, war nach seiner aufsehenerregenden Leistung völlig unaufgeregt: "Es hat mir super gefallen, ich bin sehr zufrieden", ließ der Brasilianer übersetzen. "Es macht Spaß, mit diesen bekannten Spielern zu spielen." Er selbst dürfte bald selbst noch bekannter werden. Der 24-Jährige spielte so, als wäre er schon immer Bestandteil dieser Mannschaft. Eigentlich war er nur als Ersatz für Arjen Robben und Franck Ribéry gedacht, sollten die etwas in die Jahre gekommenen "Außen-Raketen" mal eine Verschnaufpause brauchen. Mit dem Auftritt gegen den schwachen HSV dürfte sich Costa aber im Team fest gespielt haben.

In Zeiten, in denen für Leute wie Angel die Maria (für 63 Millionen Euro von ManU nach Paris), Raheem Sterling (für 68 Millionen Euro von Liverpool zu ManCity) oder den Hoffenheimer Firmino (für 41 Millionen Euro nach Liverpool) Mondpreise bezahlt werden, dürften die 30 Millionen Euro, die die Bayern in die Ukraine überwiesen, fast ein Schnäppchen sein. Der erste Bundesliga-Auftritt beeindruckte dann auch Pep Guardiola: "Er hat mir super gefallen. Er hat Augen und eine Vision" schwärmte der Coach. Doch dann wurde dem Spanier schnell bewusst, dass er kein Fan, sondern für die Entwicklung dieser Mannschaft zuständig ist. Und so sagte er noch: "Wir müssen schauen, dass er jetzt auf dem Boden bleibt."

Das dürfte gelingen. Douglas ist eher ein ruhiger Vertreter seiner Zunft, ein Straßenfußballer: Übersteiger links, Übersteiger rechts, in einer Geschwindigkeit, die die meisten Verteidiger überfordert. Zudem zieht der 1,70 Meter kleine Außenstürmer aus allen Lagen ab. "Er ist eine Extrawaffe im Eins gegen Eins", meinte Arjen Robben und Phillip Lahm ergänzte: "So einer hat uns letzte Saison gefehlt, als Franck und Arjen ausfielen." Die 90 Minuten vom Freitag zeigten der Konkurrenz aber auch: Costa ist nicht perfekt. In der ersten Hälfte, als die Norddeutschen mit einer Zehnerkette verteidigten, hatte er (zu) wenig Platz für seine Turbo-Sprints. Erst als der HSV etwas offener agierte, fegte Costa los.

Und er traf auch noch ins Tor (87.). Medhi Benatia (27.), Robert Lewandowski (53.) und Thomas Müller (69./73.) besorgten den Rest. Für Müller war das 5:0 logisch: "Trotz der Erfolge der letzten Jahre haben wir gezeigt, dass wir hungrig sind." Der Auftritt gefiel ihm: "Es macht Spaß, uns zuzuschauen." Und in typischer Müller-Manier fügte er an: "Obwohl ich uns ja nicht zugeschaut habe." Naja, ein bisschen dürfte er schon auf Costa geschielt haben, als der ständig an ihm vorbeidüste.
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