Draxler jetzt ein Wolfsburger

Am letzten Tag der Transferperiode ging es noch einmal hoch her. Der Wechsel von Julian Draxler von Schalke nach Wolfsburg ist Sinnbild einer Entwicklung, die für die deutschen Vereine Fluch und Segen zugleich ist.

Der letzte Akt im überhitzten Wechsel-Theater der Fußball-Bundesliga erlebte mit dem zweitteuersten innerdeutschen Transfer der Geschichte den erwarteten Schlusspunkt. Für geschätzte 35 Millionen Euro verlässt Weltmeister Julian Draxler seinen Herzensverein Schalke 04 und heuert als Nachfolger von Kevin De Bruyne beim VfL Wolfsburg an. Mehr Geld zwischen zwei deutschen Vereinen war bisher nur beim Transfer von Mario Götze geflossen, für den Rekordmeister Bayern München vor zwei Jahren 37 Millionen Euro an Borussia Dortmund überwies.

Der Abgang von De Bruyne zu Manchester City für rund 75 Millionen Euro sorgte für einen Rekordtransfer und animierte den Pokalsieger und Vizemeister aus Wolfsburg zu einer ausgedehnten Shoppingtour mit Draxler als Königseinkauf. "Julian war unser Wunschspieler, und durch den Wechsel von Kevin De Bruyne konnten wir seine Verpflichtung jetzt realisieren", sagte VfL-Manager Klaus Allofs. Schalke verliert damit zwar einen Sympathieträger, konnte sich aber ebenfalls mit einer Rekordeinnahme trösten.

Doch auch andere langten richtig zu. Während die Bayern die rund 67 Millionen Euro für Arturo Vidal (Juventus Turin) und Douglas Costa (Schachtjor Donezk) von ihrem Festgeldkonto überwiesen, reinvestierten die meisten anderen Vereine die üppigen Einnahmen aus Spielerverkäufen nach England. Bayer Leverkusen etwa. Nach dem Verkauf von Heung-Min Son an Tottenham Hotspur für 30 Millionen Euro lockte der Werksclub nach Kevin Kampl von Borussia Dortmund auch Javier Hernández vom Schweinsteiger-Club Manchester United für zusammen mehr als 20 Millionen Euro an den Rhein. Der Mexikaner, den alle nur Chicharito rufen, unterschrieb am Montag einen Dreijahresvertrag.

Koo zurück nach Augsburg

Der FC Augsburg konnte sich dank der 25 Millionen Euro, die Chelsea für Abdul Rahman Baba auf den Tisch legte, die fünf Millionen Euro teure Rückkehr von Ja-Cheol Koo (FSV Mainz 05) leisten. Und nicht zu vergessen: 1899 Hoffenheim kassierte vom FC Liverpool 41 Millionen Euro für den Wechsel von Roberto Firmino - der zweitteuerste Transfer der Bundesligageschichte.

Doch nicht alle bekamen etwas ab vom großen englischen Kuchen. Traditionsvereine wie der Hamburger SV, der sich auf den letzten Drücker zumindest die Dienste des Wolfsburgers Aaron Hunt sicherte, der VfB Stuttgart, der durch den Transfer von Antonio Rüdiger zum AS Rom immerhin 18 Millionen Euro verdiente, oder Eintracht Frankfurt, deren Konto dank des Wechsels von Torwart Kevin Trapp zu Paris St. Germain um die Vereinsrekordsumme von 9,5 Millionen Euro anwuchs, konnten nur in begrenztem Maße einkaufen. "Jeder durchschnittliche Spieler kostet heute 20, 30 Millionen Euro. Wo soll das hinführen", klagte Eintracht-Trainer Armin Veh. "Diese Fabelsummen sorgen für Unruhe. Ich halte das für völlig ungesund. Die Bundesliga wird dadurch Probleme bekommen." Nicht nur Volkswagen-Chef Martin Winterkorn fürchtet angesichts der Kaufkraft der englischen Clubs in Zukunft um die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga. "Wenn die Verhältnisse so sind, dass solche Summen bezahlt werden, muss man sich überlegen, was man in Deutschland macht, um den Ausverkauf zu verhindern", so der Chef der Konzernmutter des VfL Wolfsburg. Beim Poker um De Bruyne hätten selbst die Bayern nicht ohne weiteres mithalten können.
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