Drei Patzer - drei Tore

Manuel Neuer versucht Jackson Martinez am Schuss zu hindern und foult den Spieler des FC Porto. Den Elfmeter in der 3. Minute verwandelt Quaresma zur 1:0-Führung für die Gastgeber. Bild: dpa

Solche Fehler kennt man vom FC Bayern eigentlich nicht. Der FC Porto bestraft sie schonungslos - der deutsche Fußball-Rekordmeister steht in der Champions-League mit dem Rücken zur Wand. Nach dem 1:3 wollen die Münchner in der Königsklasse aber noch lange nicht aufgeben.

Einem konfusen FC Bayern München droht nach drei Blackouts der Viertelfinal-K.-o. in der Champions-League. Durch krasse individuelle Abwehrfehler unterlag der deutsche Fußball-Rekordmeister im Hinspiel beim FC Porto mit 1:3 (1:2). Ricardo Quaresma (3./10. Minute) per Doppelschlag in der schlimmsten Anfangsphase der Münchner Champions-League-Historie und Jackson Martinez (65.) besiegelten am Mittwochabend vor 50 092 Zuschauern im Estádio do Dragao die verdiente Niederlage. Thiago (28.) sorgte mit seinem Premierentor in der Champions-League für ein wenig Hoffnung, dass der Rückstand im Rückspiel am kommenden Dienstag noch aufgeholt werden kann. "Das sind Rückschläge. Wenn man eine große Mannschaft sein will, muss man die wegstecken", sagte Sportdirektor Matthias Sammer. "Das sind Menschen, das gehört zum Spiel. Auf diesem Niveau wirst du dafür bestraft. Wir haben noch das Rückspiel zu Hause", sagte Trainer Pep Guardiola.

Kapitän Philipp Lahm merkte an: "Mit einem 2:1 hätte wir leben können, das 3:1 war ein bitteres Gegentor. So ist es schwierig, aber wir haben noch die Hoffnung. Es hilft nicht zu lamentieren, wir müssen nach vorne schauen. Es ist möglich, 2:0 zu gewinnen." Kollege Thomas Müller sagte: "Das Ergebnis sagt oft etwas über die Leistung aus."

Fassungslos, mit den Händen in den Hosentaschen, verfolgte Guardiola in der zweiten Halbzeit in der Coaching Zone das teilweise desolate Spiel seiner Mannschaft mit unerklärlichen Schwächen vor allem bei Xavi Alonso, Dante und auch Torwart Manuel Neuer. Porto freuten sie sich über eine Wunderheilung von Kapitän Jackson Martinez, der sechs Wochen nach seiner Leistenverletzung wieder in der Startelf stand - und wie. Nach 70 Sekunden zwang der Angreifer Alonso zu einem krassen Fehler. Neuer konnte ihn nur per Notbremse stoppen. Glück im Unglück: Schiedsrichter Carlos Cavallo beließ er bei einer Verwarnung statt des möglichen Platzverweises für den deutschen Nationaltorwart. Den Elfmeter verwandelte Quaresma sicher.

Doch Alonso war mit seinen Patzern nicht allein. Kurz nach einer Kopfballchance für Robert Lewandowski (9.) leistete sich Dante einen bösen technischen Fehler, Quaresma sprintete dazwischen und schob den Ball zum zweiten Tor an Neuer vorbei. Schneller hatte der FC Bayern in 196 Spielen in der Königsklasse noch nie mit 0:2 hinten gelegen. Und die Folgen waren sichtbar. Die Münchner wirkten paralysiert. Einfachste Pässe wurden zum Problem.

So fatal der Start verlief, so überraschend fanden die Bayern ins Spiel zurück. Jérôme Boateng übernahm die Rolle des Wachrüttlers. Von der rechten Außenbahn flankte er durch die unorganisierte Porto-Abwehr. Thiago schoss ein. Sicherheit in die eigenen Aktionen zu bekommen, war geboten, zumal sich sogar Neuer anstecken ließ. Eine Flanke des im Rückspiel gelb-gesperrten Alex Sandro (34.) ließ er über die Fingerspitzen rutschen. Der Ball sprang an die Latte. Auch bei mehreren Flanken agierte Neuer ungewohnt zögerlich.

Deutlich fehlte den müde wirkenden Bayern das Führungspersonal. Lahm wirkte nach seiner langen Verletzung schlapp. Am ehesten erfüllten Thiago und Boateng die Erwartungen, doch ausgerechnet dem Nationalverteidiger unterlief ein Stellungsfehler, den Jackson Martinez zum dritten Porto-Tor nutzte. Kleiner Mutmacher für die Münchner: Auch der zweite Außenverteidiger, Danilo, ist kommende Woche gesperrt. "Die Chance ist da, es wäre nicht das erste Mal, dass wir zu Hause ein Spiel gewinnen", sagte Müller.
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