Drohende Insolvenz
HSV Hamburg bäumt sich auf

Die drohende Insolvenz lähmt die Mannschaft des HSV nicht. Das Team dreht auf und sammelt Punkte. Wie am Sonntag gegen den SC Magdeburg. Torhüter Johannes Bitter glaubt fest an die Rettung.

Hamburg. Leere Kassen und düstere Aussichten, aber Superstimmung, rasende Fans und Siege am Fließband. Der zahlungsunfähige Handball-Bundesligist HSV Hamburg fühlt sich derzeit wie auf der Achterbahn. Dem Weltuntergangsszenario mit Insolvenz, Punktabzug und Absturz in die Bedeutungslosigkeit folgen mitreißende Spiele des Bundesliga-Fünften - Mäzen Andreas Rudolph zum Trotz, der keinen Pfifferling mehr auf den HSV geben will.

Die Befürchtungen über das drohende Bundesliga-Aus in der Hansestadt schieben die Profis erstaunlich weit von sich. "Was die Mannschaft in den letzten Wochen geleistet hat, ist nicht mehr zu beschreiben", gesteht Geschäftsführer Christian Fitzek gerührt. Fünf Siege am Stück stehen zu Buche. Seit mehr als einer Woche muss das Team auch noch ohne Trainer auskommen. Michael Biegler, nebenbei auch National-coach, bereitet Gastgeber Polen auf die EM im eigenen Land vor. Das HSV-Team coacht er via Telefon und Mail. Der 27:22-Sieg am Sonntag gegen den SC Magdeburg hatte die Zuschauer von den Plätzen gerissen. 9156 waren gekommen, so viele wie noch nie in der laufenden Saison. "So lange es geht, machen wir weiter", bekennt Torhüter Johannes Bitter, der mit 21 Paraden gegen Magdeburg eine Weltklasseleistung bot.

Bitter formuliert, was in diesen Tagen schwerlich zu glauben ist: "Es macht totalen Spaß, in dieser Truppe zu spielen." Die ausgebliebenen Gehälter in den vergangenen beiden Monaten haben nicht zu Demotivation oder Arbeitsverweigerung geführt. Notstand und Ungewissheit scheinen die Truppe enger zusammenzuschweißen. "Ich bleibe so lange hier, bis es nicht mehr läuft", schwört Bitter und versichert: "Jedem, der mich fragt, würde ich sagen: Bleib auch hier!" Nur Nationalspieler Adrian Pfahl hat sich entschieden, zum Jahresende nach Göppingen zu wechseln.
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