Druck auf Platini wächst

Die Unschuldsgestik kauft Michel Platini niemand mehr ab. Dem bereits für 90 Tage suspendierten Uefa-Präsident droht eine Haftstrafe. Bild: dpa

Michel Platini ist in Erklärungsnot. Ein Mitglied der Uefa-Exekutive droht dem suspendierten Präsi-denten vor dem Treffen des Gremiums in Nyon mit Entzug der Unterstützung.

Im Fifa-Korruptionsskandal wächst der Druck auf den suspendierten Uefa-Präsidenten Michel Platini. Kurz vor dem Notfalltreffen der Regierung der Europäischen Fußball-Union droht ein Exekutivmitglied so deutlich wie nie zuvor mit Vertrauensentzug für den Franzosen. Sollte Platini dem Gremium keinen Vertrag über eine erhaltene Zahlung von dem ebenfalls für 90 Tage gesperrten Fifa-Präsidenten Joseph Blatter vorlegen können, "dann können wir ihn nicht länger unterstützen", sagte Allan Hansen dem "Ekstra Bladet".

Dringlichkeitssitzung

Platini ist derzeit von der Fifa-Ethikkommission gesperrt, das Exekutivkomitee der Uefa trifft sich an diesem Donnerstag zu einer Dringlichkeitssitzung in Nyon. Zunächst hatten die Exko-Mitglieder aufgrund des Einspruchs Platinis keinen Interimschef nominiert und stattdessen den amtierenden, aber suspendierten Präsidenten unterstützt. Bis zum Treffen am Uefa-Sitz "soll Michel Platini Dinge ins Feld führen, die ihn entlasten", hatte bereits DFB-Präsident Wolfgang Niersbach betont. Durch seine Sperre darf der frühere Weltklassespieler derzeit offiziell aber keine Aktivitäten im Fußball ausüben, also auch nicht mit anderen Exko-Mitglieder reden.

Platini hatte für Dienste zwischen Januar 1999 und Juni 2002 erst knapp neun Jahre später von Blatter zwei Millionen Schweizer Franken erhalten. 2011 unterstützten die Uefa-Verbände unter der Führung von Platini den Schweizer im Wahlkampf gegen den Katarer Mohamed bin Hammam, der Franzose trat selbst nicht an. Diese Vereinbarung gehe auf eine mündliche Absprache und kein schriftliches Dokument zurück, berichtete die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf die nicht-öffentlichen Aussagen der beiden vor der Ethikkammer.

Nach Angaben des früheren Präsidenten Lennart Johansson hatte die Uefa keine Kenntnis über die anrüchige Millionen-Zahlung. "Platini hätte es der Exekutive berichten sollen", sagte der Schwede am Dienstag. Auf die Frage, ob die erhaltenen zwei Millionen Schweizer Franken somit als Schmiergeld zu werten seien, antwortete Johansson: "Es muss so gewesen sein. Darauf deutet es hin."

Angesichts der Sperre für Blatter fordert der DOSB-Vorstandsvorsitzende Michael Vesper, dass der Schweizer das 2006 verliehene Bundesverdienstkreuz aberkannt werde. "Bei einer Straftat kann das Bundesverdienstkreuz entzogen werden. Das würde auch für Blatter gelten, und ich finde, das wäre dann auch angemessen", sagte der hauptamtliche Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes der "Sport Bild".

Nur Auskunftsperson

Entziehen könnte Blatter den Orden nur Bundespräsident Joachim Gauck. "In der Regel setzt die Einleitung eines Entziehungsverfahrens eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe voraus", erklärte das Bundespräsidialamt dazu. Die Schweizer Bundesanwaltschaft hatte gegen Blatter ein Verfahren unter anderem wegen des Verdachts der Veruntreuung eröffnet, ihm droht eine Haftstrafe. Platini wird noch lediglich als Auskunftsperson von den Behörden geführt.
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