Duell zweier Fußball-Welten

Tradition gegen Retorte: Im Spitzenspiel der 2. Liga tritt der Dritte FC St. Pauli am Sonntag beim Zweiten RB Leipzig an. Zwei Clubs, die anders kaum sein könnten, stehen sich gegenüber. Von "Klassenkampf" will St. Paulis Präsident Göttlich dann aber doch nicht sprechen.

Im Spitzenspiel der 2. Fußball-Bundesliga zwischen RB Leipzig und dem FC St. Pauli treffen am Sonntag zwei Vereine aufeinander, die Welten trennen. Hier der 2009 von einem Weltkonzern (Red Bull) gegründete Club aus Sachsen, der seither mit aller Macht in die Spitze der 1. Liga geführt werden soll. Dort der Verein aus dem Hamburger Rotlichtbezirk, der seine sportlichen Ziele mit völlig anderen Mitteln verfolgt.

"Für den FC St. Pauli stellt sich die Frage: Wie schaffen wir den größtmöglichen sportlichen Erfolg bei Einhaltung unserer Werte, für die der Verein steht?", erläuterte Clubchef Oke Göttlich, der aus der Fan-Szene kommt und als erklärter Kommerz-Kritiker gilt.

Er legt jedoch Wert auf die Feststellung, dass das Duell des Dritten beim Zweiten "nicht zum Klassenkampf hochstilisiert" werden sollte. Dennoch gab es im Vorfeld Irritationen, weil St. Pauli auf seiner Homepage das dem Konzern-Logo ähnelnde RB-Logo entfernte und dort nun schlicht Leipzig steht. Die Leipziger reagierten belustigt. "Das Vorgehen ist völlig albern."

Göttlich, Geschäftsführer eines digitalen Medienunternehmens, ist seit November der neue Mann an der Clubspitze von St. Pauli, obwohl Vorgänger Stefan Orth eine sportlich passable und wirtschaftlich sogar exzellente Bilanz vorlegen konnte. Aber: Der linksalternativ angehauchte und auf Basisdemokratie setzende Kiezclub entwickelte sich zuletzt immer mehr zum normalen Verein, was den Widerstand in der Pauli-Family größer werden ließ. Prompt nominierte der Aufsichtsrat Orth nicht wieder. Göttlich & Co. sind dabei, das Rad zurückzudrehen. "Wir haben entschieden, mitgliederbestimmt sein zu wollen. Und das soll auch so bleiben", erklärte der St.-Pauli-Boss.

Anders als der oft als "Retortenclub" verschrieene Leipziger Verein. Der ist längst Teil eines weltweiten Fußball-Franchise-Systems, denn auch in Salzburg, Sao Paulo, New York und Sogakope/Ghana gibt es Red-Bull-Clubs. Um den Bekanntheitsgrad zu erhöhen, soll RB Leipzig so schnell wie möglich in Liga 1 spielen. Dafür wird geklotzt: RBL gab im Sommer 15,6 Millionen Euro - mehr als alle 17 Zweitliga-Rivalen zusammen - aus. Allein das gerade 20 Jahre alte Stürmertalent Davie Selke kostete acht Millionen. Zum Vergleich: Im St. Pauli-Kader ist der kroatische 950 000-Euro-Mann Ante Budimir der zweitteuerste Einkauf der Vereinsgeschichte.
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