Ehemaliger DFB-Boss lässt Frist verstreichen - Blatter erklärt Katar-Deal
Netzer zerrt Zwanziger vor Gericht

Theo Zwanziger (links) und Fußball-Idol Günter Netzer werden keine Freunde mehr. Beide werden sich wohl bald vor Gericht treffen. Bild: dpa
In der Affäre um die WM 2006 in Deutschland läuft nun alles auf einen Prozess zwischen den beiden Schlüsselfiguren Theo Zwanziger und Günter Netzer hinaus. Der frühere DFB-Präsident ließ am Freitag erwartungsgemäß die Frist zur Unterzeichnung einer Unterlassungserklärung verstreichen und wartet nun auf eine Klage von Netzer. "Es gibt für mich keinen Grund, eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben. Ich sage die Wahrheit. Deshalb lasse ich es auch gern auf einen Prozess ankommen", sagte Zwanziger am Freitag .

Der gesperrte Fifa-Präsident Joseph Blatter räumte derweil in einem Gespräch mit der "Financial Times" ganz offen ein, dass die Vergabe von Fußball-Weltmeisterschaften schon immer offen für geheime Absprachen und betrügerische Deals war. "Wenn Sie nur wenige Leute in einem Wahlgremium haben, können Sie das gar nicht verhindern. Das ist unmöglich", sagte Blatter.

Um solche Absprachen dreht sich auch die Affäre um das deutsche Sommermärchen: An genau wen und zu welchem Zweck flossen jene ominösen 6,7 Millionen Euro, die der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus 2002 oder schon früher für die deutschen WM-Macher an die Fifa überwies? Das ist weiter ungeklärt.

In der Auseinandersetzung zwischen Netzer und Zwanziger geht es noch um eine weitere entscheidende Frage. Hat der Ex-Nationalspieler und WM-Botschafter Netzer dem früheren DFB-Chef bei einem Treffen 2012 in Zürich die Bestechung von vier asiatischen Fifa-Funktionären vor der WM-Vergabe gestanden oder nicht? Zwanziger hat genau das gegenüber dem "Spiegel" behauptet. Netzer dagegen weist das zurück und versucht nun, seinem Widerpart gerichtlich zu verbieten, dass er diese Behauptung wiederholt.

Sarkozy greift ein

Blatter verriet der "Financial Times" derweil weitere vermeintliche Details zu der umstrittenen Vergabe der WM 2022 an Katar. Er bestätigte der Londoner Wirtschaftszeitung zunächst, was er am Mittwoch bereits der russischen Staatsagentur Tass gesagt hatte: Dass diese Endrunde eigentlich in den USA stattfinden sollte. Nach einem Treffen des Kronprinzen von Katar mit dem damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy sowie Uefa-Chef Michel Platini wurde diese Absprache jedoch noch einmal gekippt - "aufgrund der Intervention von Mr. Sarkozy", wie Blatter nun erstmals behauptet.

"Nicht auf deiner Seite"

"Eine Woche vor der Wahl bekam ich einen Telefonanruf von Platini, und er sagte mir: Ich bin nicht mehr länger auf deiner Seite, weil mein Staatschef mir gesagt hat, wir sollten die Interessen Frankreichs berücksichtigen", erzählte Blatter. "Außerdem sagte er (Platini) mir, dass das nicht nur eine Stimme betrifft, sondern dass er eine ganze Gruppe von Stimmen hat." Bei der Abstimmung 2010 setzte sich Katar am Ende durch.
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