Ein Schweizer soll den Club retten

Der neue Trainer des 1. FC Nürnberg, René Weiler, hat sich viel vorgenommen. Bild: dpa

Der 1. FC Nürnberg hat einen neuen Coach. René Weiler aus der Schweiz wird Nachfolger des erst Anfang der Woche beurlaubten Valérien Ismaël. Nach der sportlichen Talfahrt hofft der Club also schon wieder auf einen, der noch nie in Deutschland Trainer war.

Im Kampf gegen den sportlichen Total-Absturz setzt der Traditionsclub 1. FC Nürnberg trotz der jüngsten Fehlgriffe Verbeek und Ismaël wieder auf einen Bundesliga-Novizen als Trainer. Der Schweizer René Weiler soll den kriselnden Fußball-Zweitligisten nach dem völlig verpatzten Saisonstart wieder in die Spur bringen.

Der 41-Jährige sieht sich für seine erste Auslands-Station gerüstet. "Ich habe mich in den letzten Monaten bewusst auf die Aufgabe vorbereitet", sagte er bei der Vorstellung am Mittwoch. Die mangelnde Erfahrung in deutschen Ligen lässt den Ex-Profi nicht zweifeln. "Grundsätzlich wird überall Fußball gespielt", meinte er lapidar.

Dass er ein Freund von mitreißendem Offensivfußball ist, verhehlte der smarte Coach aus Winterthur nicht. Diesen Luxus kann sich der Club aber nach sieben Niederlagen aus 13 Zweitligapartien und dem Abrutschen auf den 14. Tabellenplatz längst nicht mehr leisten. "Natürlich wollen immer alle ein Spektakel", sagte Weiler, "aber wir sind hier im bezahlten Fußball, und da zählen nur die Resultate."

Diese hatte er in der Schweiz in den vergangenen Jahren durchaus vorzuweisen, bis zur vorigen Saison trainierte er den Erstligisten FC Aarau. Mit dem Außenseiter war er 2013 in die Super League aufgestiegen und hatte damit den größten Erfolg seiner noch jungen Trainerkarriere gefeiert. Danach überraschte er laut Pressemitteilung des FCN "mit einer sorgenfreien Saison und ansehnlichem Fußball" - von beidem waren die Franken zuletzt selbst sehr weit entfernt.

Die Rückkehr in die Bundesliga muss "irgendwann, früher oder später" auch Nürnberg gelingen, stellte Weiler klar. "Aber im Moment schaue ich nicht so weit voraus." Zunächst geht es am Valznerweiher darum, einer verunsicherten Truppe wieder Selbstbewusstsein und eine erfolgbringende Struktur zu verpassen. Der selbst extrem in die Kritik geratene Sport-Vorstand Martin Bader sprach dann auch von einer "wohl durchdachten und inhaltlich logischen" Entscheidung, Weiler zu holen - dabei hatte er dem Schweizer erst im Sommer Valérien Ismaël vorgezogen. Dessen erfolglose Zeit in Nürnberg endete am Montag mit der Beurlaubung.

Weiler erhielt beim neunmaligen deutschen Meister einen "längerfristigen" Vertrag, genaue Vertragslaufzeiten gibt der FCN seit einiger Zeit offiziell nicht mehr bekannt. "Natürlich kostet das den Verein wieder einen Haufen Geld", hatte Finanz-Vorstand Ralf Woy der Bild-Zeitung zuletzt zum Trainerwechsel gesagt. Während nämlich Ismaël den Club verlassen musste, bleibt dessen Assistent Roger Stilz vorerst, auch wenn seine künftige Aufgabe noch nicht feststeht. Weiler bringt als Co-Trainer Manuel Klökler mit.

"Ich habe einen Plan", verkündete der neue Hoffnungsträger beim Bundesliga-Absteiger - wie dieser aussieht, wollte er vor seinem ersten Training mit der Mannschaft nicht verraten. Nur so viel: "Die Statistik lügt nicht, der Club hat in der Offensive und Defensive Probleme." Am Nachmittag stand er erstmals auf dem Trainingsplatz.

Weiler muss sich schnell in der 2. Liga akklimatisieren. Wie seine glücklosen Vorgänger Gertjan Verbeek und Valérien Ismaël hatte er vor dem Engagement in Franken noch kein Team in der 1. oder 2. Bundesliga betreut. Er will es besser machen. Zuletzt reiste er nach eigenen Angaben viel durch Deutschland, um sich Matches anzusehen. "Ich habe bewusst auch in Deutschland gesucht", erzählte er, "und wenn einem eine solche Aufgabe anvertraut wird, kann man unmöglich Nein sagen." Schon nach der Länderspielpause dürfte sich zeigen, ob Bader mit der Trainerwahl Glück hatte - sein Debüt wird Weiler nämlich ausgerechnet im Derby gegen Zweitliga-Spitzenreiter FC Ingolstadt geben.
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