Ein Spiel für Frieden und Freiheit

Bundestrainer Joachim Löw (rechts) geht am Trainingsplatz in Barsinghausen an Polizisten vorbei, die das Gelände sichern. Das DFB-Team bereitet sich auf das Länderspiel gegen die Niederlande vor, das heute in Hannover unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen ausgetragen wird. Bild: dpa

Dem Bundestrainer ist nicht nach Fußball. Das Länderspiel gegen Holland ist nach der Terrornacht von Paris auch für Joachim Löw ein Symbol demokratischer Werte und der Verbundenheit mit Frankreich. In Hannover läuft vor dem Anpfiff eine große Sicherheitsoperation.

Diesmal geht's nicht um Tore, Sieg und Jubel. Nach der Terrornacht von Paris hat der immer noch extrem aufgewühlte Joachim Löw den Jahresabschluss gegen die Niederlande zu einem Spiel für Frieden und Freiheit erklärt - jenseits jeder sportlichen Relevanz.

Emotionale Worte

Mit emotionalen Worten forderte der Bundestrainer bei einer denkwürdigen Pressekonferenz seine Fußball-Weltmeister, die Gegner aus Holland und besonders auch die Zuschauer in Hannover auf, das letzte Länderspiel des Jahres am Dienstag (20.45 Uhr/ZDF) zu einem Manifest der demokratischen Werte zu machen. "Wenn wir das Stattfinden des Spiels so verstehen, dann haben wir unabhängig vom Ergebnis gewonnen", postulierte Löw am Montag in Barsinghausen.

"Das Spiel hat eine klare Botschaft und ist ein klares Symbol für Freiheit und Demokratie", betonte der nach den Ereignissen vom Freitagabend persönlich immer noch betroffene Weltmeister-Trainer. Jetzt gehe es bei dem Spiel mit Kanzlerin Angela Merkel und vielen Bundesministern auf der Zuschauertribüne darum, "Verbundenheit, Mitgefühl, Trauer und Solidarität für unsere französischen Freunde nicht nur in Frankreich, sondern in ganz Europa und auf der ganzen Welt zu demonstrieren".

Trotz der für viele tausende Menschen traumatischen Erlebnisse sprach sich Löw eindeutig für eine Ausrichtung der EM 2016 in Frankreich mit dem Anschlagsort Stade de France als Herz des Turniers aus. "Es macht keinen Sinn, über ein anderes Land zu diskutieren. Ich bin sicher, dass die EM in Frankreich stattfinden wird", sagte Löw, der am 12. Dezember bei der Gruppenauslosung wieder einen wichtigen Termin in Paris hat. Die konkrete EM-Vorbereitung ist für den DFB-Chefcoach erst beim Doppelspieltag mit den Partien gegen England in Berlin am 26. März 2016 und drei Tage später in München gegen Italien möglich.

In der niedersächsischen Landeshauptstadt liefen am Montag die nach der Anschlagsserie von Paris mit weit mehr als 100 Toten erhöhten Sicherheitsvorkehrungen, als die 18 Nationalspieler sich im Teamquartier vor den Toren der Stadt in Barsinhausen versammeln sollten. Auch dort war Sicherheit "die Prio 1", wie es DFB-Interimschef Rainer Koch für das Spiel ausgegeben hatte. Spürhunde durchsuchten das Areal der Sportschule. "Es sind natürlich erhöhte Sicherheitsmaßnahme geboten. Die werden auch stattfinden. Im Detail müssen das die Sicherheitskräfte festlegen. Es wird die größtmögliche Sicherheit für die Zuschauer und Mannschaften garantiert", versprach Oliver Bierhoff.

Den Teammanager hatten die Ereignisse in Frankreich auch noch nicht losgelassen. "Am Tag danach war es fast noch schlimmer. Es wird einem mehr bewusst, wenn man sich die Bilder anschaut", sagte der Ex-Nationalspieler, der von Löw für seine Rolle als Krisenmanager in den dramatischen Stunden in Paris nochmals ausdrücklich gelobt wurde.

Platz für die sonst übliche Rivalität mit Fußball-Erzfeind Oranje gibt es für Löw in dem 41. Fußball-Vergleich mit dem Nachbarland nicht. Auch auf die Gefahr hin, dass der im Wiederaufbau befindliche Gegner die Partie doch sportlich ernst nehmen dürfte. "Wenn die Spieler morgen das Feld betreten, dann sind sie Fußballer, die noch immer eine gute Leistung zeigen und gewinnen wollen", sagte Holland-Trainer Danny Blind.

Sport im Hintergrund

Die sportliche Bedeutung ist für Löw irrelevant - ähnlich der Situation nach dem Suizid von Torwart Robert Enke, als man vor genau sechs Jahren gegen die Elfenbeinküste antrat. Der Mannschaft erklärte er vor dem Abschlusstraining erst einmal, "warum wir dieses Spiel machen" und warum man "nicht so einfach zur Tagesordnung übergehen" könne. "Der sportliche Wert tritt in den Hintergrund. Ich denke, dieses Spiel wird für mich nicht der Maßstab sein", sagte der 55-Jährige mit dem Blick auf mögliche EM-Erkenntnisse.
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