Ein Trio für Deutschland

Es gibt viele Sieganwärter bei der Vierschanzentournee, aber Richard Freitag ...

Bei der 63. Vierschanzentournee hoffen die deutschen Skispringer auf einen Höhenflug. Drei Asse können vorne mitmischen. Für den ganz großen Wurf soll Topmann Severin Freund sorgen. "Wir wollen um den Sieg springen", sagt Bundestrainer Schuster.

Ein Skiflug-König mit Siegambitionen, ein Rückkehrer mit Top-Potenzial und ein cooler Joker: Angeführt von einem hoffnungsvollen Trio wollen Deutschlands Skispringer die seit 2008/09 andauernde Vorherrschaft des Erzrivalen Österreich bei der Vierschanzentournee brechen und 13 Jahre nach dem Grand Slam von Sven Hannawald endlich wieder selbst triumphieren.

"Es ist definitiv das Ziel, bei der Tournee richtig anzugreifen. Es ist mir auch ein persönliches Anliegen, die Veranstaltung gut zu absolvieren und vielleicht mal zu gewinnen - oder um den Sieg zu springen. Mit einem guten Start sollten wir auch mal auf diese Welle springen und nicht mehr untergehen", sagte Bundestrainer Werner Schuster vor dem Auftaktspringen am Sonntag (16.30 Uhr) in Oberstdorf und machte damit eine deutliche Kampfansage an die Konkurrenz. Auch Frontmann Severin Freund gab sich angriffslustig. "Es gibt keinen, der sich in so eine Position gebracht hat, dass man Angst vor ihm haben müsste. Derzeit weiß keiner, wer die Tournee gewinnt. Aber ich gehöre zu denen, die es können. Ich bin bereit, die Chance zu nutzen, wenn sie sich bietet", verkündete Freund.

Der Skiflug-Weltmeister ist der große Hoffnungsträger im deutschen Team. Freund soll bei seiner Attacke vor allem von Richard Freitag und Markus Eisenbichler die nötige Unterstützung erhalten. "Severin hat die Form, um wirklich um den Tourneesieg zu springen. Richard kann alle ärgern und Markus jederzeit für ein Highlight sorgen", sagte Schuster über sein Top-Trio.

Schwere Aufgabe

Allerdings weiß der 45-Jährige um die Schwere der Aufgabe, denn selten waren so viele Spitzenspringer vor dem ersten Saisonhöhepunkt auf Augenhöhe. "Roman Koudelka hat schon gewonnen, Simon Ammann, Noriaki Kasai, Anders Fannemel, Gregor Schlierenzauer und Severin Freund auch. Dazu kommen Michael Hayböck und Peter Prevc - da sind richtige Klassetypen vorne. Die matchen sich auf höchstem Niveau und aus dieser Gruppe wird auch der Tourneesieger kommen. Der Einzige, der das ins Wanken bringen kann, ist Freitag", prophezeite Schuster eine spannende Tournee.

Seit dem Vierfachsieg von Sven Hannawald 2001/02 warten die deutschen Ski-Adler auf einen Triumph bei der Traditionsveranstaltung. Der letzte Tageserfolg, ebenfalls von Hannawald, liegt auch schon zwölf Jahre zurück. Seit dem 29. Dezember 2002 gingen die DSV-Springer in 47 Tournee-Wettbewerben leer aus. Freund sieht sich in allen Bereichen bestens vorbereitet. "Es ist bisher nach Plan gelaufen. Ich bin mit der Situation sehr, sehr zufrieden", verkündete der 26 Jahre alte Team-Olympiasieger. Sein Teamkollege Freitag, der bei der vorweihnachtlichen Generalprobe in Engelberg mit Platz eins und fünf aufhorchen ließ, gibt sich ebenfalls gelassen. "In der Favoritenrolle sind andere. Ich bin heiß darauf, das einzigartige Tournee-Flair mit allen Sinnen aufzunehmen", sagte der 23-Jährige.

Saisonaufsteiger Eisenbichler, der als Weltcup-Zwölfter anreist, schlug ebenfalls kesse Töne an. "Ich gehe locker zur Tournee und liebäugele mit den Top Ten", sagte er und verriet: "Natürlich träumt man von solchen Dingen wie bei Thomas Diethart." Der Nobody hatte im Vorjahr alle Favoriten düpiert und die Tournee gewonnen.

Nicht wieder rot-weiß-rot

Es war das sechste Mal nacheinander, dass es beim Finale in Bischofshofen rot-weiß-roten Jubel gab. Nun wollen die DSV-Adler nach dem Team-Gold bei Olympia auch den Tournee-Thron zurückerobern. "Es gab in den vergangenen Jahren genügend österreichische Siege. Deswegen ist es an der Zeit für etwas anderes", meinte Freund.
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