Ein verrücktes Spitzenspiel

Zum unverhofften Spitzenspiel des 5. Spieltages der Bundesliga trifft am Dienstag in München der Rekordmeister mit seinem Startrainer Trainer Pep Guardiola (links) auf den Aufsteiger und Überraschungs-Tabellenführer SC Paderborn mit Trainer André Breitenreiter (rechts). Bilder: dpa

Topspiel statt Klassenkampf - die Naturgesetze des Fußballs scheinen vor dem Duell FC Bayern gegen SC Paderborn außer Kraft gesetzt. Der Überraschungs-Erste kann "ohne Druck" die Bayern herausfordern.

"Ozapft is" - und passend zum Oktoberfest würden die Paderborner Fußball-Himmelsstürmer auch dem Münchner Weltmeister Manuel Neuer liebend gerne das eine oder andere Tor einschenken. 4064 Fans werden nach Vereinsangaben den Überraschungs-Spitzenreiter Richtung München begleiten: Zunächst wollen sie am Dienstag in den Festzelten mit ein paar Maß Bier den historischen ersten Platz in der Bundesliga begießen, bevor dem Rausch am Abend in der Münchner Arena im Normalfall ein ordentlicher Kater folgen müsste.

Guardiola adelt den Gast

Die Bayern richten sich allerdings auf einen mutigen Gegner ein. "Paderborn spielt sicher Angriffspressing. Warum sollten sie etwas ändern?", meinte Trainer Pep Guardiola am Montag: "Wenn sie gewinnen, ist es eine große Überraschung, wenn sie verlieren, ist alles okay. Sie haben keinen Druck." Der große Trainer adelte den kleinen SCP. Erster nach vier Spieltagen, das sei "kein Glück", sagte Guardiola, sondern das Produkt harter Arbeit: "Sie haben es verdient."

Spitzenspiel statt Klassenkampf - vor der Premiere zwischen dem Liga-Krösus und den Billigkickern aus Ostwestfalen scheinen die Naturgesetze im deutschen Fußball zumindest kurzzeitig außer Kraft gesetzt zu sein. "Wir fahren nicht nach München, um Fotos mit den Weltmeistern zu machen", kündigte SC-Trainer André Breitenreiter an. Druck möchte er seinen Spielern aber nicht auferlegen: "Die Jungs sollen das Spiel genießen. Das Ergebnis steht für mich nicht an erster Stelle."

Nach vier Spieltagen rangieren die Bayern in der Tabelle tatsächlich hinter dem Liga-Neuling - zwar punktgleich, aber mit zwei erzielten Toren weniger. Guardiola verwies auf den speziellen Enthusiasmus der Aufsteiger gerade zu Saisonbeginn, in einer Phase, in der "die großen Vereine Punkte verlieren". Eindringlich forderte der Katalane am Montag sogar Nachsicht mit den extrem strapazierten Profis der Spitzenclubs. "Wir verlangen zu viel von den Spielern", mahnte Guardiola. Franck Ribéry (Knie) fällt weiter aus, Arjen Robben kehrt womöglich zurück.

Vier Spiele, keine Niederlage - es ist ein kleines Fußball-Märchen, das der SC Paderborn als 53. Bundesligaclub aufführt. Für Javi Martínez, mit 40 Millionen Euro der teuerste Spieler des FC Bayern, wären 57 Moritz Stoppelkamps zu haben gewesen. So viel überwies Paderborn im Sommer an den TSV 1860 München für seinen kostspieligsten Akteur, der nach seinem Tor aus 83 Metern beim 2:0-Heimsieg gegen Hannover 96 als deutschlandweit bekannter Rekordhalter in die ihm vertraute Allianz-Arena zurückkehrt.
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