Eishockey
Jetzt der Charaktertest

Gegen die Slowakei steht das deutsche Eishockey-Team vor dem nächsten Schlüsselspiel. Die Anspannung steigt. Bundestrainer Marco Sturm reagiert auf die ernüchternden Ergebnisse.

St. Petersburg. Nach der bislang enttäuschenden WM-Vorstellung wurde selbst der sonst so besonnene Eishockey-Bundestrainer Marco Sturm laut. Seine Kommandos im Training am Montag schrie er derart eindringlich über das Eis, dass sie selbst außerhalb der Halle noch zu hören waren. Vor dem wegweisenden Spiel gegen die Slowakei am Dienstag (15.15 Uhr/Sport1) steigt bei der deutschen Auswahl die Anspannung. Sturm verlangt nach den Pleiten gegen Frankreich und Finnland eine klare Reaktion von seinen Profis um Toptalent Leon Draisaitl. "Das ist eine Charakterfrage", sagte der 37-Jährige. "Das Wichtigste ist, wie man wieder zurückkommt."

Umstellung der Offensive


Sturm veränderte vor dem dritten WM-Spiel nicht nur seinen Ton, sondern auch seine Strategie. Als Reaktion auf die bislang enttäuschenden Auftritte seiner Topreihe stellte der Trainer-Neuling seine Offensiv-Aufstellung um. "Es hat einfach nicht so funktioniert wie in der Vorbereitung", sagte Sturm. "Man hat ja gesehen, teilweise haben sie den Schläger zu fest in der Hand gehabt."

Auf der Parade-Reihe mit den beiden hoffnungsvollsten deutschen Angriffstalenten Draisaitl und Tobias Rieder sowie DEL-Toptorjäger Patrick Reimer lastete eine Menge Druck. Bislang ist sie den Anforderungen nicht gerecht geworden. Draisaitl, dem eine Zukunft als Topstar in der NHL vorhergesagt wurde, blieb ohne Tor. Rieder, der in der NHL ebenfalls für Wirbel sorgte, traf einmal in Überzahl.

Im Training bildete nun Edmonton-Stürmer Draisaitl mit dem Berliner Marcel Noebels und dem Iserlohner Brooks Macek eine Reihe. Zu Rieder und Reimer rückte der Münchner Dominik Kahun. Offen ließ sich Sturm die Option, noch einen Torhüter als Verstärkung aus der NHL zu holen. Anrufen wollte er Thomas Greiss nach dessen starker Saison und dessen Ausscheiden mit den New York Islanders auf jeden Fall. Am Dienstag muss es in jedem Fall noch ohne den 30-Jährigen klappen. Zweimal kostete bislang ein verpatzter Beginn ein besseres Ergebnis. Im dritten WM-Spiel darf der Start nicht schon wieder verschlafen werden, nicht schon wieder ein frühes Gegentor eine Niederlage einleiten. Die Bereitschaft, von Beginn an, alles zu geben, hat Sturm vermisst.

"Wir sind bei der Profi-WM"


Mangelndes Selbstvertrauen darf dabei keine Rolle spielen. Das machte auch Verbandspräsident Franz Reindl deutlich. "Das ist Profisport", sagte der 61-Jährige. "Das musst du abhaken. Du musst die Spiele wegstecken können. Wir sind bei der Profi-Weltmeisterschaft." Reindl machte zudem klar, dass er mit drei Punkten aus dem Frankreich-Spiel geplant hatte.

Vor dem Slowakei-Spiel sind die Aussichten auf das Viertelfinale gering. Gewinnt der Weltranglisten-13. nicht, dürfte er sich wohl nur noch eine Pleite gegen Titelverteidiger Kanada leisten. Die übrigen Duelle mit Weißrussland, den USA und Abstiegskandidat Ungarn müssten gewonnen werden, soll es mit dem Sprung in die K.o.-Runde noch klappen.
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