Eisschnelllauf
Pechstein in Finanznöten

Berlin. Nach der Niederlage vor dem Bundesgerichtshof plagen Claudia Pechstein ernsthafte Finanznöte. Als Verliererin der gesamten Prozess-Serie vor den Zivilgerichten muss die Berlinerin nicht nur die Anwälte der Gegenseite und die Verfahrenskosten vor dem BGH, sondern auch in den beiden vorangegangenen Instanzen vor dem Landgericht und Oberlandesgericht München entrichten.

Die Gesamtkosten werden auf 200 000 bis 300 000 Euro geschätzt. Allein der Anwalt der Gegenseite, dem Eislauf-Weltverband Isu, kostet rund 70 000 Euro, das BGH-Verfahren knapp 90 000 Euro. "Zur finanziellen Situation gibt es von der Pechstein-Seite keinen Kommentar", erklärte Manager Ralf Grengel am Mittwoch. Pechstein hatte unlängst ihre bisherigen Kosten im Kampf gegen den Isu auf 750 000 Euro beziffert und zugegeben, dass inzwischen alle Rücklagen aufgebraucht seien.

Schon zur Finanzierung ihres eigenen Anwalts für den BGH-Prozess auf Schadenersatzklage hatte Pechstein einen Aufruf gestartet, um durch Spendengelder 70 000 Euro aufbringen zu können. Für je 20 000 Euro bürgten damals die Gewerkschaft der Polizei/Bezirk Bundespolizei und die Fußballer-Gewerkschaft FifPro. "Wir lassen Claudia nach diesem Fehlurteil des BGH nicht im Regen stehen und werden unseren Verpflichtungen nachkommen", sagte Sven Hüber, der stellvertretende Vorsitzende der Polizei-Gewerkschaft am Mittwoch. Zugleich forderte er den Deutschen Olympischen Sportbund DOSB auf, sich nach der Entschuldigung bei Pechstein für die Fehlentscheidungen des Sports in Sachen der ungerechtfertigten Zwei-Jahres-Sperre auch an den finanziellen Folgen zu beteiligen.

Schon vor ihrem bisher wichtigsten Prozess hatte Pechstein angekündigt, bei einer Niederlage auf jeden Fall weiterzukämpfen. Sie wird nun Beschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht führen, weil sie ihr Grundrecht als deutsche Staatsbürgerin verletzt sieht.

Mark-E. Orth, Kartellrechtsanwalt aus München, erkennt im Gang vor das Verfassungsgericht einen Fehler. "Meines Erachtens liegt im Zwang zum Abschluss einer Schiedsklausel, die Sportler vor die Schiedsgerichte zwingt, ein Verstoß gegen europäisches Kartellrecht vor", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Das Thema gehört vor den Europäischen Gerichtshof, aber leider hat man keinen Vorlageantrag an den EuGH gestellt. Schade - jetzt ist das Thema für ein paar Jahre tot", fürchtet der Kartellrechtler. Auch das Bosman-Urteil, das die Transferrechte von Fußball-Profis vor 21 Jahren revolutionierte, war vom EuGH gefällt worden.

Das Thema gehört vor den Europäischen Gerichtshof, aber leider hat man keinen Vorlageantrag an den EuGH gestellt. Schade - jetzt ist das Thema für ein paar Jahre tot.Mark-E. Orth, Kartellrechtsanwalt
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