Endspiele garantieren Dramatik

Entsetzen bei den Spielern des Hamburger SV nach der 1:2-Niederlage beim VfB Stuttgart. Nur mit viel Glück können die Norddeutschen den erstmaligen Abstieg aus der Bundesliga noch abwenden. Bild: dpa

Sechs Teams kämpfen noch um das Bleiberecht in der Fußball-Bundesliga. Ganz schwer wird es für Hamburg und Paderborn. Beide Clubs sind am letzten Spieltag auf Schützenhilfe angewiesen. Insgesamt müssen noch sechs Clubs zittern.

In einem der spannendsten Existenzkämpfe der Bundesliga-Geschichte spielten sich groteske Szenen ab. Die Stuttgarter Profis führten nach ihrem Siegtreffer einen Affentanz auf, Freiburgs Trainer Christian Streich stürzte beim Lauf in die Katakomben auf den Hosenboden und die völlig frustrierten Paderborner wurden von den gegnerischen Fans mit Applaus verabschiedet. Trotzdem gehörte der Neuling zusammen mit dem Hamburger SV zu den großen Verlierern am 33. Spieltag, beide benötigen beim Showdown am nächsten Wochenende Schützenhilfe. "Wir haben es nun nicht mehr in der eigenen Hand, das fühlt sich beschissen an", sagte Ex-Nationalkeeper Rene Adler, der mit dem HSV vor dem erstmaligen Sturz in die Zweitklassigkeit steht.

Stuttgarter Affentanz

Die Dramaturgie des Spielplans führt vier der sechs noch gefährdeten Teams am Samstag in zwei direkte Duelle. Dabei können sich die Stuttgarter nach dem 2:1-Erfolg gegen den HSV in Paderborn mit einem Sieg selbst retten, den Ostwestfalen hingegen winkt maximal der Relegationsplatz. "Diese Ausgangsposition hatten uns so viele nicht zugetraut", meinte Stuttgarts Kapitän Christian Gentner. Auf die Kritik ihres Trainers Huub Stevens unter der Woche ("Ihr seid Affen") reagierten die VfB-Profis mit einer Retourkutsche und führten einen Affentanz auf. Stevens fand das spaßig. "Das ist doch schön", meinte der Coach.

Tristesse und Hilflosigkeit herrschte hingegen beim Hamburger SV, der vor dem letzten Heimspiel gegen Schalke auf den vorletzten Platz zurückfiel. Nach der zweitligareifen Vorstellung der Hanseaten könnte die Stadionuhr des HSV nach fast 52 Jahren Bundesliga zum Stillstand kommen. "Die Relegation ist, so wie es jetzt gelaufen ist, vermutlich schon ein Erfolg", sagte HSV-Direktor Profifußball, Peter Knäbel.

Um genau zwei Punkte besser ist die Stimmung in Freiburg und Hannover. Beide Clubs feierten unerwartete Siege, die Norddeutschen gar den ersten seit 151 Tagen und die Breisgauer gegen Meister Bayern München. Jetzt treffen beide Teams aufeinander. Freiburgs Trainer Streich stürzte nach der emotionalen Partie beim Versuch, schnell in die Kabine zu laufen, und rappelte sich wieder auf. Wie sein Team. "Als wir am Boden lagen, sind wir aufgestanden. Jetzt dürfen wir nicht anfangen zu spinnen und zu fliegen", sagte der SC-Coach nach dem 2:1-Erfolg.

Matchwinner für Hannover war Lars Stindl, der nächste Saison in Mönchengladbach spielt. Der Kapitän erzielte beide Treffer zum 2:1-Sieg in Augsburg und bescherte Trainer Michael Frontzeck den ersten Punkte-Dreier. "Ich hoffe, dass wir es nächste Woche vergolden", sagte Stindl.

Noch nicht endgültig gerettet ist auch Hertha BSC nach dem 0:0 gegen Eintracht Frankfurt. Im Mittelpunkt der Kritik stand Stürmer Salomon Kalou, der die beste Torchance leichtfertig vergab und sich den Unmut der Kollegen zuzog. "Frag unseren blinden Stürmer", hatte Torhüter Thomas Kraft auf die Frage eines Journalisten geantwortet.

Jubel in Gladbach

Den größten Jubel am Wochenende gab es beim besten Rückrunden-Team: Mit dem ersten Sieg seit 28 Jahren bei Werder Bremen hat Borussia Mönchengladbach den erstmaligen Einzug in die Champions-League perfekt gemacht. "Wir kriegen dafür zwar keinen Pokal oder Wimpel, aber wir haben was Großes geschafft", sagte Sportdirektor Max Eberl nach dem 2:0-Sieg durch einen Doppelpack von Raffael.
Weitere Beiträge zu den Themen: Lea (13790)Mai 2015 (7904)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.