Enttäuschung für Tony Martin

2014 war es Bradley Wiggins, der Martin einen Strich durch die WM-Rechnung machte. Diesmal enttäuschte Martin auf ganzer Linie und erreichte in Richmond nicht einmal das Podium. Damit bleibt Fabian Cancellara alleiniger Rekordsieger.

Tony Martin fuhr mit aufgerissenem Mund über die Ziellinie und schüttelte fassungslos mit dem Kopf. Angetreten, um in die Rekordbücher des Radsports zu fahren, erlebte der 30 Jahre alten Ausnahmefahrer auf den Straßen von Richmond eine Riesen-Enttäuschung. Martin verpasste am Mittwoch bei den Straßenrad-Weltmeisterschaften nicht nur seinen angestrebten vierten WM-Titel im Einzelzeitfahren, sondern erreichte nicht einmal eine Medaille. Nach 53 Kilometern belegte er in einer Zeit von 1:03:46 Stunden den siebten Platz.

Martin lag für ihn unfassbare 1:16 Minuten hinter dem neuen Weltmeister Wasil Kirijenka. Zweiter wurde der Italiener Adrian Malori mit einem Rückstand von 9,08 Sekunden, gefolgt vom Franzosen Jerome Coppel (26,62 Sekunden zurück). Damit bleibt der Schweizer Fabian Cancellara alleiniger Rekord-Weltmeister.

Alles schief gelaufen

"Es zählt nur die Goldmedaille", hatte Martin in den vergangenen Tagen immer wiederholt und sich selbst unter enormen Druck gesetzt. Es reichte aber wieder nicht. Nachdem ihm im vergangenen Jahr Olympiasieger Bradley Wiggins einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte, lief diesmal in den USA alles schief.

Martin, der von 2011 bis 2013 dreimal in Serie triumphiert hatte, verpasste damit die Krönung einer bislang guten Saison. Bei der Tour de France war für ihn ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen, als Martin für drei Tage das Gelbe Trikot getragen und die Fans mit seiner aggressiven Fahrweise begeistert hatte. Erst ein Sturz in Le Havre, bei dem er einen Schlüsselbeinbruch erlitt, beendete sein Fahrt in Gelb.

Martin hatte sich danach schnell wieder in Form gebracht. Doch schon der zweite Platz im Mannschaftszeitfahren am vergangenen Sonntag hinter BMC mit Lokomotive Dennis brachte den ersten Dämpfer. Dabei sollte diesmal eigentlich der Weg frei sein, zumal Cancellara wegen seiner vielen Stürze in dieser Saison nicht zur WM gereist war und Wiggins bereits im April seinen Abschied von der Straße verkündet hatte.

Gemächlich angegangen

Mit der Nummer eins auf dem Rücken war Martin als letzter Fahrer um 14:43 Uhr Ortszeit auf die Strecke gegangen. Der Zeitfahrspezialist ließ es aber gemächlich angehen. Zur Halbzeit lag er bereits 38 Sekunden hinter Kirijenka. Bei der dritten Zwischenzeit war der Titel bei über einer Minute Rückstand bereits futsch.

Für Nikias Arndt, den zweiten deutschen Teilnehmer, reichte es auch nicht zu einer Top-Platzierung. Der Bonner landete 4:47 Minuten zurück auf Platz 52.

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) bleibt damit in der WM-Bilanz bei vier Medaillen. Ab Freitag wird die WM mit den Straßenrennen fortgesetzt. Höhepunkt der Titelkämpfe ist das Männer-Rennen am Sonntag. Dann will Klassikerspezialist John Degenkolb für den ersten deutschen Sieg seit Rudi Altig vor 49 Jahren sorgen.
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