Ernüchterung statt Euphorie

Angelique Kerber (Bild) ist bei den Australian Open in Melbourne überraschend in der ersten Runde ausgeschieden. Nach einer schwachen Leistung unterlag die deutsche Nummer eins der Rumänin Irina-Camelia Begu mit 4:6, 6:0 und 1:6. Bild: dpa

Das hatten sich die deutschen Tennis-Damen in Melbourne ganz anders vorgestellt. Die an Nummer neun gesetzte Angelique Kerber und die ehemalige Wimbledon-Finalistin Sabine Lisicki sind bei den Australian Open schon ausgeschieden. Zumindest zwei Damen überraschten positiv.

Angelique Kerber wirkte ratlos, Sabine Lisicki trotzig. Eine richtige Erklärung für ihre de-saströsen Auftritte zum Auftakt der Australian Open hatten die beiden großen deutschen Tennis-Hoffnungsträgerinnen aber nicht. Lisicki ließ sich nach der 6:4, 4:6, 2:6-Niederlage gegen die Französin Kristina Mladenovic fast zwei Stunden Zeit, ehe sie Rede und Antwort stand. Kerber wollte das unangenehme Prozedere am Montag sofort nach ihrem kuriosen 4:6, 6:0, 1:6 gegen die Rumänin Irina-Camelia Begu hinter sich bringen.

Weil auch das vielversprechende Talent Annika Beck (Bonn), Qualifikantin Tatjana Maria (Bad Saulgau) und Anna-Lena Friedsam (Andernach) frühzeitig scheiterten, endete Tag eins beim ersten Grand-Slam-Spektakel der neuen Saison für die deutschen Damen mit Ernüchterung statt Euphorie. Einzig die Siege der beiden Norddeutschen Julia Görges (Bad Oldesloe) und Carina Witthöft (Hamburg) dienten Bundestrainerin Barbara Rittner als Seelenbalsam.

Kohlschreiber weiter

Auch bei den Herren lief es Down Under nicht besser. Nur Philipp Kohlschreiber setzte sich gegen den Franzosen Paul-Henri Mathieu 6:2, 6:2, 6:1 durch und steht nun vor einer Revanche gegen den Australier Bernard Tomic. In Sydney hatte der 31 Jahre alte Augsburger zuletzt eine klare Niederlage kassiert. Tobias Kamke, Jan-Lennard Struff und Dustin Brown dagegen bestanden ihre Auftaktprüfungen nicht. Am Dienstag haben nun Andrea Petkovic, Mona Barthel, Benjamin Becker, Peter Gojowczyk, Matthias Bachinger und Tim Pütz die Chance, die Bilanz für die anfangs 17 Profis starke Delegation zu schönen.

"Es war einer meiner schlechtesten Tage", sagte die an Nummer neun gesetzte Kerber am Tag nach ihrem 27. Geburtstag. Im ersten Satz bewegte sich die Linkshänderin schlecht, traf kaum einen Ball vernünftig und war extrem nervös. Den zweiten entschied die deutsche Nummer eins mit 6:0 für sich - und ging im finalen Durchgang regelrecht unter gegen die Nummer 42 der Welt, die sich sonst eher auf Sandplätzen wohlfühlt. "So etwas passiert, aber es ist schade, dass es bei einem Grand Slam passiert", sagte Kerber nach ihrer ersten Erstrunden-Pleite bei einem der vier wichtigsten Turniere seit Wimbledon 2011.

Sehr wenig lief auch bei ihrer Fed-Cup-Kollegin Lisicki zusammen. Der so aufschlagstarken 25 Jahre alten Berlinerin unterliefen 9 Doppelfehler und insgesamt 39 einfache Fehler. "Natürlich ist es sehr enttäuschend. Man arbeitet die ganze Offseason, und dann klappt es nicht", sagte Lisicki und kündigte schon ein wenig trotzig an: "Morgen wird wieder trainiert und an den Dingen gearbeitet."

Bei all den negativen Schlagzeilen gingen die beiden erfreulichen deutschen Damen-Auftritte fast ein wenig unter. Görges zeigte beim 6:2, 6:1 gegen die Schweizerin Belinda Bencic ihre stärkste Leistung seit sehr langer Zeit, Witthöft gelang gegen die an Nummer 17 gesetzte Spanierin Carla Suárez Navarro mit dem 6:3, 6:1 sogar das beste Spiel ihrer Karriere, wie die 19-Jährige sagte.

Witthöft selbstbewusst

Zum ersten Mal steht Witthöft nun bei einem Grand Slam in der zweiten Runde und formulierte selbstbewusst: "Es geht ja jetzt weiter. Das Turnier ist erst zu Ende, wenn man verloren hat." Für acht der elf gestarteten deutschen Profis galt das schon nach dem ersten Tag.
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