Erschütternd offen

Der Zustand von Jules Bianchi, hier ein Archivbild von März 2013, ist nach dem schrecklichen Unfall weiter kritisch. Bild: dpa

Der Vater von Formel-1-Fahrer Jules Bianchi berichtet über die dramatische Lage nach dem Unfall seines Sohnes. Jeder Anruf aus dem Krankenhaus könnte das Schlimmste bedeuten.

Mit erschütternder Offenheit hat der Vater von Jules Bianchi über die "verzweifelte" Lage des schwer verunglückten Formel-1-Piloten gesprochen. "Bei jedem Telefonklingeln wissen wir, dass es das Krankenhaus sein könnte, dass uns sagt, dass Jules tot ist", sagte Philippe Bianchi in einem Exklusivgespräch der italienischen Zeitung "La Gazzetta dello Sport". Die Ärzte hätten ihnen gesagt, dass noch nie jemand einen so schweren Unfall überlebt habe und es an Wunder grenze, dass ihr Sohn noch lebe.

"Fahren wir nach Hause"

"Es gibt Momente, in denen ich Jules anschaue, ohne eine Schramme im Bett liegend, und ihm am liebsten einen Klaps auf die Wange geben und sagen würde: "Los, steh auf, warum liegst du da? Lass uns Japan verlassen, Jules, fahren wir nach Hause", erzählte Philippe Bianchi. Wie der Rest der Familie, enge Freunde und auch Michael Schumachers Arzt Gerard Saillant war er auf dem schnellsten Weg nach Yokkaichi gereist.

Dort kämpft sein 25 Jahre alter Sohn seit seinem Unfall am 5. Oktober gegen Ende des Großen Preises von Japan in Suzuka um sein Leben. Er erlitt schwerste Schädelverletzungen. Das wahre Ausmaß der Schädigungen ist nicht ersichtlich. "Es ist hart, in einer Woche ist das Leben unserer Familie zerstört worden", sagte der Vater von Bianchi: "Was machen wir, wie machen wir das hier, weit weg von allem? Wir durchleben einen Alptraum."

Kraft gibt der Familie nicht nur das ungebrochene Vertrauen in die Stärke von Jules Bianchi, sondern auch die riesige Anteilnahme. "Ich habe noch nie etwas Ähnliches gesehen", sagte Philippe Bianchi. "Wir sind sicher, dass all diese Liebe, diese Energie, dass Jules das fühlen kann."

Wie tief in der gesamten Formel-1-Gemeinde der Schock von den schrecklichen Unfall-Bildern sitzt, blieb auch Tage später bei der Formel-1-Premiere in Sotschi überall und jederzeit spürbar. Ferrari stellte sich mit Alonso und auch Kimi Räikkönen zu einem großen Gruppenfoto auf. Vor dem Start formierten sich alle Piloten zu einem Kreis.

Schon genug gelitten

Die Bianchi-Familie hat durch ihre Motorsport-Leidenschaft schon genug leiden müssen. Jules Großonkel Lucien starb bei einem Sportwagen-Unfall, sein Großvater - Philippes Vater - Mauro erlitt ebenfalls bei einem Sportwagen-Unfall schwere Brandverletzungen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9311)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.