"Erwarten kann man gar nichts"

Eric Frenzel (26) ließ in diesem Winter die Konkurrenz meist hinter sich: Bei der WM im schwedischen Falun will der Wahl-Oberpfälzer aus Flossenbürg seine Medaillensammlung - bisher sind es sieben WM-Plaketten - weiter aufmöbeln. Bild: dpa

Flossenbürg oder Falun? Nördliche Oberpfalz oder Mittel-Schweden? Beides. Kombinierer Eric Frenzel bekommt bei der nordischen Ski-WM natürlich auch große Unterstützung aus der Heimat.

Flossenbürg/Falun. Das Wochenende war völlig stressfrei: Ein paar lockere Runden auf der Silberhütte drehen, sich zu Hause bei der Familie in St. Ötzen (bei Flossenbürg/Kreis Neustadt/WN) erholen. Der nordische Kombinierer Eric Frenzel relaxte. Am Montag hob der 26-Jährige mit den Teamkollegen nach Schweden ab. Dort beginnt am Donnerstag die nordische Ski-WM. Vor dem Start stellte sich Frenzel, der in diesem Jahr auch die Wahl zum Sportler des Jahres unseres Medienhauses gewonnen hat, unseren Fragen.

Ihre Familie war in der Vergangenheit immer Glücksbringer für Sie. Werden Ihre Frau Laura und Philipp in Schweden dabei sein?

Frenzel: Ja, klar. Sie werden in der ersten Woche da sein, aber dann muss Philipp ja wieder in die Schule.

Dann sind sie ja beim ersten Rennen am Freitag an der Strecke. Kriegen Sie die heimatliche Unterstützung mit?

Frenzel: Ja, ich freu mich einfach nur, dass sie dabei sind. Dass sie die Begeisterung für den Sport mit mir teilen und meine Wettkämpfe verfolgen.

Sie waren zuletzt noch eine Woche im Trainingslager in Oberstdorf. Was gab es da noch zu verbessern? Es läuft doch hervorragend, sie stehen auch kurz vor dem Gewinn des Gesamtweltcups ...

Frenzel: Nach so einer Wettkampfserie ist es gut, noch mal runterzufahren, um ein bisschen an den Grundlagen zu arbeiten. Damit man fit ist, auch für das Saisonende. In Oberstdorf haben wir natürlich mehr Wert auf das Springen gelegt. Man kann sich hier noch einmal auf einzelne Dinge konzentrieren, wofür man während der Saison keine Zeit hat, wenn jedes Wochenende Wettkämpfe sind. In Oberstdorf konnten wir wirklich intensiv arbeiten.

Ihre Siegesserie in diesem Winter ist fast schon unheimlich. Wissen Sie eigentlich auf Anhieb, wie viele Siege es bisher waren?

Frenzel: Ich glaube, sieben.

Richtig! Vor der Saison sagten Sie, dass der Trainingsaufbau sich auf die WM konzentriere. Wie sehr sind Sie überrascht, dass es so gut läuft?

Frenzel: Ich bin schon ein wenig überrascht. Der Plan war ja wirklich nicht so. Der Weltcup stand in diesem Winter nicht so im Vordergrund, der Schwerpunkt war auf die WM gerichtet. Ab September, ab dem Herbst haben wir dann intensiver trainiert, das hat sich ausgezahlt. Im Januar hatte ich die richtige Wettkampfhärte.

Mit dem Höhepunkt in Seefeld. Drei Siege in drei Tagen, die Konkurrenz war chancenlos ...

Frenzel: Seefeld ist einfach ein gutes Pflaster für mich. Ich mag die Strecken sehr. Sie sind sehr selektiv und anspruchsvoll. Für mich passt es da einfach sehr gut.

Auch Weltklasseleute sind vor Fehlern nicht gefeit. In Val di Fiemme wurden Sie disqualifiziert. Zwei offene Reißverschlüsse am Anzug. Wie kann so etwas passieren?

Frenzel: So ein persönliches Missgeschick passiert nun mal. Auch, wenn man die Wettkampfvorbereitungen schon 1000 Mal gemacht hat, es passiert einfach. Und wenn man im Wettkampf total fokussiert ist, dann nimmt man das auch nicht wahr. Es hat sich alles normal angefühlt. Ich war sehr überrascht, als man mir gesagt hat, dass mein Anzug offen war.

Dennoch sind Sie weiter einer der Top-Favoriten bei der WM. Kommt die größte Konkurrenz aus den eigenen Reihen?

Frenzel: Man muss unsere Leute immer auf der Rechnung haben. Da haben einige Chancen einzuschlagen. Ansonsten sind es die üblichen Verdächtigen: Die Norweger, und dann sind auch ein paar Österreicher wieder im Kommen. Und dann muss man schauen, was der Jason macht?

Jason Lamy Chappuis - der war doch im Januar verletzt, oder?

Frenzel: Er hatte gesundheitliche Probleme mit seinem Fuß. Aber ich habe gehört, dass er das im Griff hat.

Bundestrainer Hermann Weinbuch fordert in den vier Rennen drei Medaillen. Wird zu viel erwartet?

Frenzel: Erwarten kann man gar nichts. Wie es kommt, so kommt's. Es kann auch mal sein, nicht vorne dabei zu sein, auch wegen Dingen, die man nicht beeinflussen kann. Mir geht es darum, meine beste Leistung zu zeigen, meinen besten Sprung, damit ich mir danach nichts vorzuwerfen habe.

WM-Gold 2011 in Oslo, WM-Gold 2013 in Val di Fiemme, Olympia-Gold 2014 in Sotschi: Gibt's auch Gold in Falun?

Frenzel: Ich werde auf jeden Fall darum kämpfen.
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