"Es fühlt sich total bekloppt an"

Es ist geschafft! Die Wolfsburger Mannschaft feierte ausgelassen den 3:1-Sieg im DFB-Pokalfinale gegen Borussia Dortmund. Bild: dpa

Für Jürgen Klopp gab es als BVB-Trainer kein Happy End. Die Rolle der Pokalhelden ging an seinen Kollegen Dieter Hecking und die Wolfsburger Spieler. Die wollen jetzt auf Dauer Bayern-Jäger Nummer eins sein. Bundestrainer Löw traut dem VfL das zu.

Der für eine rauschende Abschiedsparty schon vorbereitete Borsigplatz blieb leer. Statt Jürgen Klopp präsentierte Dieter Hecking den jubelenden Fans den begehrten DFB-Pokal - und versetzte 300 km entfernt von der Dortmunder Kultstädte Wolfsburg in einen bisher nicht gekannten Siegerrausch.

"Ich bin wahnsinnig stolz darauf", sagte VfL-Coach Hecking nach dem 3:1-Finalsieg seines VfL über den BVB: "Es war eine herausragende Saison. Das kann einen Schub geben." Nah an der Tränen-Grenze ergänzte der 50-Jährige: "Es fühlt sich total bekloppt an." Heckings Gefühlsausbruch nach seinem ersten Titel als Fußball-Lehrer war nicht als Spitze für seinen enttäuschten Kollegen Klopp gedacht. Aber er skizzierte die Stimmung nach dem 72. nationalen Cup-Finale treffend. Ex-Meister Borussia hat nach 319 Vollgas-Pflichtspielen in mehr als sieben Jahren nicht nur Kulttrainer Klopp verloren, sondern auch die Position als Fußball-Macht Nummer zwei im Weltmeisterland Deutschland. "Es wird nicht einfach für den BVB, in der kommenden Saison ganz oben mitzuspielen. Wolfsburg kann vom Potenzial her die zweite Kraft hinter Bayern werden", sagte Bundestrainer Joachim Löw.

Hecking legte im Moment seines bislang größten Triumphes, der seinem Club die Rekord-Pokalprämie von 3,5 Millionen Euro beschert, sogar seine sonstige Bescheidenheit ab. Nach dem verdienten Sieg zog er eine Baseballkappe mit der Aufschrift "King" auf. "Meine beiden Söhne liefen heute mit der Mütze herum. Der eine hat dann gesagt, wenn Du den Pokal holst, dann setzt Du bitte diese Mütze auf", erzählte Hecking: "Und ein Vater kann seinem Sohn nichts ausschlagen. Deswegen sitze ich hier mit der Mütze. Aber sie passt."

Noch während der Pressekonferenz begann für "King" Hecking und seine Pokalhelden die lange Party, die bis in den späten Sonntag hinein andauern sollte. Die Kappe wurde von einer Bierdusche der VfL-Stars Naldo und Vieirinha von Heckings Kopf gespült. Im Berliner Szeneclub "Schindler & Klatt" an der Spree erlebte die Feier für die Final-Torschützen Luiz Gustavo (22. Minute), Kevin De Bruyne (33.) und Bas Dost (38.) sowie alle anderen Wolfsburger ihren ersten Höhepunkt. Am Sonntag ging es mit einem Sonderzug zurück in die VW-Stadt, wo alles für einen Auto-Corso gerichtet war. "Wir haben jetzt zweieinhalb Jahre mit Klaus Allofs und mir an der Spitze Herausragendes geleistet", befand Hecking, der kurz vor der Pokalübergabe seine Tränen nicht mehr hatte zurückhalten können. "Die Jungs, die Stadt, der Verein - alle sind stolz", sagte Naldo. Mit seinem von BVB-Torwart Mitch Langerek unglücklich abgelenkten Hammer-Freistoß hatte der Brasilianer die Final-Wende eingeleitet. Denn nach der frühen Führung von Pierre-Emerick Aubameyang (5.) hatten die Dortmunder noch alle Trümpfe in ihrer Hand. Der BVB nutze sie nicht.

In 16 Minuten hatte zuvor der Vize-Meister VfL seine neuen Qualitäten präsentiert. Die Verantwortlichen um Allofs werden alles dafür tun, dass der VfL dauerhaft Bayern-Jäger Nummer eins ist und den Rekordmeister sogar gefährden kann. Als vorrangige Aufgabe aber dürfte sich der Manager mit seinem Star De Bruyne beschäftigen, der als Bundesliga-Torscorer Nummer eins auf der Wunschliste vieler europäischer Topclubs ganz oben steht - trotz seines Vertrages beim VfL bis 2019.
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