Es müllert und müllert

Thomas Müller (rechts) zieht ab, wo eigentlich kein Fußballer aufs Tor schießt. Doch der Bayern-Star traf in dieser Szene zum 1:0 für Deutschland gegen die Schotten. Später legte er noch ein kurioses Tor nach. Bild: dpa

Für Bundestrainer Löw ist er einfach "Gold wert", für Verbandschef Niersbach "immer besonders". Thomas Müller hat mit drei Toren gegen Polen und Schottland Deutschland praktisch schon zur EM-Endrunde 2016 geschossen. Seine Qualitäten beeindrucken immer wieder.

Er trifft und trifft und trifft! Acht Tore in der laufenden EM-Ausscheidung, sechs Treffer in seinen letzten vier Pflichtspielen für den DFB: "Das nehme ich so zur Kenntnis. Es könnte schlechter laufen. Ich weiß aber auch, dass es mir in den nächsten Spielen nichts gibt", erklärte Thomas Müller nach dem 3:2-Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Schottland. "Einer muss ja treffen. Ob er oder andere Spieler, ist egal", bemerkte Kumpel und Ex-Bayern-Kollege Bastian Schweinsteiger mit einem Lächeln und ergänzte: "Er hat halt die Nase, weiß genau, wo die Bälle hinfallen."

Als Zusatzmotivation hatten sich beide auf Video schon mal die besondere Stimmung bei der schottischen Hymne im Hampden Park angesehen. Das 1:0 eierte Müller dann mit Hilfe von Mario Götze ins Tor, beim zweiten Treffer staubte er mit dem Kopf ab. "Man weiß, dass Thomas Müller ein wahnsinnig gutes Gefühl für Situationen und für Räume hat, wo der Ball hinkommen könnte. Er schleicht sich dahin, wo kein Gegner steht. Das ist seine große Stärke", lobte Joachim Löw seinen Torjäger Nummer eins. "Er denkt immer nur, wie kann ich ein Tor erzielen. Er geht immer Richtung Fünfmeterraum, da prallen immer wieder Bälle ab", ergänzte der Bundestrainer.

Längst ist Müller, der am Sonntag seinen 26. Geburtstag feiert, der wertvollste Scorer im DFB-Team. Bei der WM 2010 in Südafrika war er Torschützenkönig mit fünf Treffern. Zum Triumph bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien steuerte der Bayer auch fünf Tore bei. In der laufenden EM-Qualifikation hat nur Bayern-Kollege Robert Lewandowski mit 10 Toren häufiger getroffen. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach beschrieb in Glasgow Müllers Stellung mit vier Worten: "Thomas ist immer besonders." Vor allem der zweite Treffer im legendären Hampden Park kann den Fußball-Geschichtsbüchern als Beispiel für Müllers besondere Qualitäten hinzugefügt werden. Er habe sich sofort in die Mitte orientiert und war für einen Abpraller des Schusses von Emre Can gewappnet, als der Ball nach außen zum Verteidiger gespielt wurde, beschrieb Löw die Szene: "Das zeichnet ihn aus, das kann man nicht lernen. Das ist eine Sache, die Thomas Müller im Blut hat. Er riecht, wohin der Ball kommt. Das ist Gold wert für uns." Auch Schweinsteiger war beeindruckt: "Beim zweiten Tor muss man erst mal so reagieren."

Unaufgeregt wie meist sprach der Torjäger über das persönliche und das kollektive Erfolgserlebnis in Glasgow. "Man muss versuchen, den Lauf mitzunehmen. Manchmal läuft es besser, mal schlechter. Zur Zeit läuft es besser", sagte er zu seiner Quote. 30 Tore in 65 Länderspielen stehen nun für Müller zur Buche.

Das 3:2 gegen die Schotten stufte Müller als ordentliche Leistung ein. Das nächste Spiel am 8. Oktober in Irland soll nun auch rechnerisch die Qualifikation für Frankreich 2016 bringen, praktisch sei es ohnehin schon geschafft, meinte Müller: "Vier Punkte Vorsprung. Ich denke, die Sache ist klar." Mit einem besonderen Wunsch verabschiedete sich der Schotten-Schreck, der vier Tore in zwei Spielen gegen die "Bravehearts" erzielt hat, aus Glasgow: "Die sollten wir zur EM mitnehmen, die Schotten."
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