Fan-Lust und Weilers Frust

Kampf war Trumpf beim bayerischen Derby: Hier wehrt sich der Nürnberger Ondrej Petrak (rechts) gegen das lange Bein des Münchner Maximilian Wittek. Bild: dpa

Nürnbergs Trainer René Weiler plant alles ganz genau, liebt klare Strukturen. Umso nachdenklicher war er nach dem bayerischen Derby. 1860-Coach Torsten Fröhling dagegen lächelte.

Nürnberg. (mr) Doch, doch, Trainer sind auch Fußballfans - manche aber irgendwie anders: "Für mich war das heute kein Highlight, das Spiel hat mir richtig zu denken gegeben." Club-Coach René Weiler war bedient, enttäuscht, desillusioniert.

Sein Kollege auf der Bank von 1860 München, Torsten Fröhling, hatte nach dem 2:2 (0:1) der beiden Traditionsclubs am Montagabend noch geschwärmt: "Super Fußballspiel für die Fans. Ein Highlight für die Zuschauer." Die beiden Zweitligateams lieferten sich vor knapp 37 000 Zuschauern vor allem in der zweiten Hälfte einen intensiven Kampf: Rennen, grätschen, treten. Aber Weiler, der pedantische Übungsleiter aus der Schweiz, sieht in diesem Sport viel mehr als blindes Nach-vorne-Schlagen der Bälle, ungenaue Pässe und Stockfehler. Sein Team übertraf die "Löwen" bei diesen Missgeschicken noch. Weiler mochte manchmal nicht mehr hinsehen und sprach dann eines der Hauptprobleme an: "Wir verteidigen einfach schlecht." Nach drei Zweitligaspielen hat der Club schon zehn Gegentore kassiert.

Bessere Münchener

Seinen Spielern blieb dann auch gar nichts anderes übrig, als Selbstkritik zu üben: "Die erste Hälfte haben wir komplett verschlafen", sagte Guido Burgstaller, der mit seinem 1:1 (54.) eine gute Viertelstunde der Gastgeber eingeläutet hatte. Als Niklas Stark neun Minuten später das 2:1 machte, schien der FCN das Spiel gedreht zu haben. "Ich dachte, nun haben wir die Partie im Griff", meinte Miso Brecko, der Starks Treffer stark vorbereitet hatte. Hatten sie aber nicht. Auch, weil die "Löwen" - punkt- und torlos - ins Frankenland gekommen, einfach organisierter waren. Freilich ist fußballerisch noch viel Luft nach oben, aber die Sechziger hatten die besseren Einzelspieler: Der junge Marius Wolf dürfte nach Julian Weigl (jetzt Dortmund) das nächste Juwel sein, das sich ein Erstligist schnappen wird.

Noch macht das Sechzig-Coach Fröhling aber keine Sorgen. Leute wie er, die aus dem hohen Norden stammen, stehen ja unter Verdacht, etwas unterkühlter zu sein. Doch der in Bützow (Mecklenburg-Vorpommern) geborene Fußballlehrer war nach den 90 Minuten sogar etwas euphorisiert. Klar, er bemängelte die schlechte Chancenverwertung, die Sechziger hatten ja auch noch zwei Mal Aluminium getroffen. Ein Tor wurde wegen Abseits nicht anerkannt. "Wir haben uns nicht belohnt, das ist schade für meine Mannschaft. Aber wenn wir so weiterspielen, werden wir die nötigen Punkte holen", ist er sich sicher. Dass die Treffer von Kai Bülow (45.) und Daniel Adlung (74.) nicht zum vollen Erfolg reichten, führte Letzterer darauf zurück, dass "wir kaltschnäuziger sein müssen". Aber auch Adlung urteilte selbstbewusst: "Über die gesamte Distanz waren wir die klar bessere Mannschaft."

Club-Coach Weiler hatte dann neben dem "gewonnenen Punkt", doch noch Positives gesehen: "In der zweiten Hälfte war von uns mehr Überzeugung zu sehen." So richtig überzeugend klang das aber auch nicht.
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