FC Bayern mit Herz und Kopf

Wenn der FC Bayern München trotz der Aussichtslosigkeit im Halbfinal-Rückspiel der Champions-League gegen den FC Barcelona doch noch das Ruder herumreißen will, geht das nur über unbändigen Einsatz und mit einer großen Portion Glück. Das probierten Thomas Müller (links) und Bastian Schweinsteiger schon im Hinspiel. Bild: dpa

Abwehr ist der beste Angriff. Mit Herz, aber vor allem mit Köpfchen will Pep Guardiola die Aufholjagd gegen Barcelona angehen. Bei den wüsten Spekulationen um seine Zukunft geht er in die Offensive.

Ein wilder Sturmlauf ist für Pep Guardiola keine Strategie bei der "Mission Impossible" gegen Barcelonas Angriffsmaschine um Lionel Messi. "Herz ja, aber auch mit Kopf", lautet die klare Marschroute des Bayern-Trainers für das Champions-League-Halbfinale gegen den FC Barcelona. Nach dem verheerenden 0:3 der Münchner im Hinspiel beginnt die Aufholjagd am Dienstag (20.45 Uhr/ZDF/Sky) in der Heimfestung Allianz-Arena nicht vorne bei Robert Lewandowski und Thomas Müller, sondern mit defensiver Stabilität dahinter bis hin zu Torwart Manuel Neuer.

"Wir müssen gut verteidigen, das ist das Erste", erklärte Guardiola am Montag. Abwehr ist für den Spanier der beste Angriff. Und nicht die "deutsche Mentalität, nach vorne laufen, nach vorne laufen, viele Tore schießen", so der Spanier. Um dann beim kopflosen Anrennen wie schon in Barcelona erneut von Messi oder Neymar ausgekontert zu werden. "Wenn du einen Fehler machst, bestrafen sie das", warnte Guardiola. 28:1 Tore hat der FC Barcelona in seinen letzten acht Pflichtspielen erzielt, die er allesamt gewonnen hat.

Nächster historischer Abend?

"Ich werde versuchen, es über die Spielkontrolle aufzuholen", sagte Guardiola zur Strategie. Wenigstens ein niederschmetternder K.o. wie bei der völlig missglückten Aufholjagd beim 0:4 gegen Real Madrid im Halbfinal-Rückspiel 2014 soll sich so nicht wiederholen. Insgeheim hoffen die Bayern nach fünf Siegen und 19:1 Toren in den bisherigen Heimspielen der Königsklassen-Saison auf einen weiteren historischen Abend. "Wir können nicht davon ausgehen, dass es läuft wie gegen Porto. Aber wir brauchen's", erinnerte Müller an das 6:1 im Viertelfinale. Da musste aber "nur" ein 1:3 aufgeholt werden - und das gegen einen Gegner, der keine Weltstars wie Messi im Team hat.

Guardiolas Plan, vor allem mit Verstand zu spielen, soll dafür sorgen, dass Kapitän Philipp Lahm & Co. beim programmierten Verpassen des Endspiels in Berlin zumindest erhobenen Hauptes die ausverkaufte Arena verlassen können. "Wir heißen Bayern München", erklärte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge zur Notwendigkeit einer ordentlichen Präsentation abseits aller Wunderbeschwörungen.

Schon Guardiolas Aufstellung dürfte zeigen, wie kontrolliert er die Aufgabe angeht. Bringt er Mario Götze als weiteren Offensivmann neben Lewandowski und Müller? Oder setzt er wieder auf ein sehr dichtes Mittelfeld mit Alonso, Lahm, Schweinsteiger und Thiago? Götze habe seine Qualitäten in Strafraumnähe, sagte Guardiola, also weit vorne. Alles wäre wohl anders, wenn Arjen Robben und Franck Ribéry nicht verletzt wären. "Sie sind Wettbewerbstiere", schwärmte Guardiola über die verletzte Flügelzange. Sie seien in den letzten Jahren "Fahnenträger" und "Flaggschiffe" des Vereins gewesen.

Das Ergebnis des Rückspiels gegen Barcelona, aber besonders die Haltungsnoten gegen die für Guardiola "beste Mannschaft der letzten 15, 20 Jahre in Europa" wird die abschließende Bewertung der Meister-Saison maßgeblich beeinflussen, vor allem aber auch die Ausrichtung der Zukunft beim FC Bayern bestimmen. "Das Spiel wird für sich selbst sprechen", sagte Guardiola am Montag vielsagend.

"Werde hierbleiben"

Welche Spieler sind die Zukunft? Wie stark muss investiert werden? Welche Vorstellungen hat der Verein? Und welche Pläne verfolgt Guardiola? Die wüsten Gerüchte um einen Wechsel zu Manchester City, wo Scheich Mansour bin Zayed aus dem Emirat Abu Dhabi mit viel Geld lockt, wehrte der umworbene Trainer erst einmal ab. "Ich habe noch ein Jahr mehr Vertrag. Ich werde nächste Saison hierbleiben. Das ist alles", sagte Guardiola am Montag. Klare Aussage - Stand jetzt.
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