FC Bayern ohne Angst

Mit einer Spezialmaske absolvierte Robert Lewandowski am Dienstagabend das Abschlusstraining im Camp-Nou-Stadion in Barcelona. Ob der Torjäger des FC Bayern München heute im Halbfinal-Hinspiel der Champions-League von Beginn an aufläuft, wird sich wohl erst kurz vor dem Anpfiff entscheiden. Bild: dpa

Vor zwei Jahren staunte die Fußball-Welt über die Triple-Bayern - und jetzt? Furchtlos will der angeschlagene FC Bayern in Barcelona bestehen. Für Trainer Pep Guardiola steckt die "wunderschöne" Heimkehr voller Emotionen. Ein klarer Kopf ist gefragt - auch bei Robert Lewandowski.

Pep Guardiola hatte feuchte Augen. Pep hier, Pep da, Pep überall - praktisch alles dreht sich in Barcelona um den charismatischen Starcoach. Bei seiner "wunderschönen Rückkehr" ins Camp Nou genoss Guardiola am Dienstagabend mit einem Lächeln vor einigen hundert Reportern das Blitzlichtgewitter der Fotografen. 27 Stunden vor dem Anpfiff des Champions-League-Halbfinals des FC Bayern München beim FC Barcelona musste der Katalane aber auch schlucken. "Barcelona ist ein wichtiger Teil in meinem Leben. Barcelona war alles, aber ich bin hier um zu gewinnen", erklärte Guardiola - bewegt und fokussiert zugleich.

Beifall von Journalisten

"Ich bin hier nicht als Hommage, sondern ich bin hier, um meine Arbeit zu machen, mit Bayern München das Finale zu erreichen", betonte Guardiola im überfüllten Presseraum des Camp-Nou-Stadions, in dem es für ihn sogar vereinzelten Beifall von Journalisten gab. Das große Hinspielduell zwischen der Angriffsmaschine des FC Barcelona und den verletzungsgeplagten Bayern wird heute (20.45 Uhr/Sky und ZDF) zu einer Fußball-Kraftprobe mit speziellen Emotionen für Guardiola.

Pep Guardiola muss seine eigene Geschichte besiegen, jenen Club, der sein Leben als Spieler und Trainer prägte, den er aus dem Effeff kennt. Er tritt gegen Luis Enrique an, seinen früheren Teamkollegen, den Mann, der eine neue Barça-Ära als Trainer prägen will. Ja, Guardiola soll die Fans leiden lassen, die ihn immer noch verehren, für 14 Titelgewinne unter seiner Regie zwischen 2008 und 2012.

Kann er seine große Liebe besiegen, die "momentan Besten der Welt", wie Guardiola selbst das Team um Weltstar Lionel Messi und den deutschen Torhüter Marc-André ter Stegen rühmte? "Ich habe mich nicht einen einzigen Moment ablenken lassen", versicherte er und rühmte seinen langjährigen Superstar. "Messi ist nicht zu stoppen. Es gibt kein Defensivsystem, das ihn stoppen kann. Er ist einfach zu gut."

Die Anspannung ist auf beiden Seiten erdrückend groß. Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge verzichtete auf seine übliche Ansprache vor dem Abflug. Zuversicht mussten andere verbreiten. "Wir wollen uns nicht hinten reinstellen. Wir wollen zeigen, wer wir sind", tönte Torhüter Manuel Neuer. "Wir glauben an uns", verkündete auch Weltmeister Thomas Müller. Nach dem 25. Meistertitel und dem verpassten Einzug ins DFB-Pokalendspiel ist das Königsklassen-Finale am 6. Juni in Berlin das letzte große Saisonziel des deutschen Rekordchampions. "Die Chancen stehen nach wie vor 50:50", sagte Präsident Karl Hopfner ungeachtet der Personalprobleme: Robben, Ribéry, Alaba, Badstuber, Rode - die Ausfallliste ist lang und prominent.

Spielt Lewandowski?

Das größte personelle Fragezeichen wird sich wohl erst kurz vor dem Anpfiff auflösen: Wird Robert Lewandowski nach seinen Brüchen im Gesicht tatsächlich mit einer Spezialmaske auflaufen? Der Pole gab sich betont furchtlos. "Alles okay", versicherte er. Wenn auch der Arzt grünes Licht gibt, müsste als letzte Instanz Guardiola abwägen, ob er das Risiko eingehen soll. Oder ob er Müller in die Spitze beordert, einem gesunden Mario Götze das Vertrauen gibt, das Mittelfeld verdichtet mit Alonso, Schweinsteiger, Lahm und dem Ex-Barça-Profi Thiago.

"Wenn Robert fit ist, wird er spielen", erklärte Guardiola. Ausführlich will er sich aber mit Lewandowski darüber unterhalten, wie das Gefühl unter der schwarzen Maske ist. "Du kannst nicht ins Spiel gehen und sagen, wenn die Situation kommt, dann muss ich ein bisschen aufpassen", beschrieb Weltmeister Jérôme Boateng die verzwickte Situation für Lewandowski.
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