FC Bayern verliert mit Schweinsteiger eine Identifikationsfigur - Beispiellose Karriere
In allen Rollen eines Helden

Ein trauriger Moment für Bastian Schweinsteiger: Soeben hatte er im Champions-League-Finale 2012 einen Elfmeter verschossen. Auch Philipp Lahm (rechts) konnte seinen Teamkollegen nicht trösten. Bild: dpa
Es ist erst ein paar Wochen her. Als Bastian Schweinsteiger am 23. Mai vor dem letzten Saisonspiel gegen den FSV Mainz von Vereinschef Karl-Heinz Rummenigge mit einem Blumenstrauß für sein 500. Pflichtspiel im Trikot des FC Bayern ausgezeichnet wurde, erhoben sich über 70 000 Fans in der Münchner Arena und feierten ihren "Fußballgott", ihren Basti, ihre Symbolfigur. Keiner dachte damals daran, dass die Jubiläumspartie zugleich sein Abschiedsspiel sein würde - nach 17 Jahren beim Rekordmeister.

Schon als Teenager wurde das Eigengewächs B-Jugend- und A-Jugend-Meister mit dem FCB. Mit 18, im ersten Profijahr, feierte Schweinsteiger sein erstes "Double" mit Meisterschaft und Pokalsieg. Heute ist er mit acht Meistertiteln und sieben Pokalsiegen mit 15 Trophäen nationaler Rekordchampion vor Oliver Kahn (14).

Ottmar Hitzfeld hatte den Youngster am 13. November 2002 beim 3:3 im Champions-League-Spiel gegen den RC Lens erstmals eingesetzt. Und Schweinsteiger fiel danach nicht nur durch sein Talent auf dem Fußballplatz aus. Der bayerische Gaudibursche erregte mit seinen jugendlichen Eskapaden auch immer wieder Uli Hoeneß und Co. Mit wechselnder Haarpracht, Strähnchen und flippigen Armbändchen, einem lackierten Fingernagel oder einer nächtlichen Poolparty mit einer "Cousine" im Spielertrakt auf dem Vereinsgelände sorgte er für Aufregung. Sportlich ging es dennoch bergauf, schon mit 19 Jahren debütierte Schweinsteiger im Nationalteam. Und mit dem "Kölsche Jung" Lukas Podolski bildete er beim WM-Sommermärchen 2006 in Deutschland das beliebte Spaß-Duo "Poldi" und "Schweini".

Während Podolski auch mit 30 immer noch der jungenhafte "Poldi" ist, reifte Schweinsteiger mit den Jahren zum Mann, der nun, mit knapp 31 Jahren und bereits leicht ergraut eine neue Herausforderung in seinem neuen, globaleren Leben an der Seite der Weltklasse-Tennisspielerin Ana Ivanovic in einem neuen Land sucht.

Zurück lässt Schweinsteiger traurige Bayern-Fans, die ihre "Identifikationsfigur" verloren haben. Er besetzte alle Rollen eines Helden. Die der tragischen Figur wie bei seinem Pfostentreffer im verlorenen Elfmeterschießen im "Finale dahoam" gegen den FC Chelsea 2012. Ein Jahr später hielt er dann gemeinsam mit seinem langjährigen Weggefährten Philipp Lahm in London nach dem 2:1-Finalsieg gegen Borussia Dortmund den Champions-League-Pott endlich in Händen, krönte seine Vereinslaufbahn mit dem Triple. Deutschlandweit zur Kultfigur wurde Schweinsteiger exakt vor einem Jahr, im WM-Finale von Rio. Mit blutverschmierten Gesicht kämpfte er im Estádio Maracanã durch die 120 Minuten gegen Argentinien. Lohn der Qual: 1:0-Sieg, Weltmeister!
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