Fehlschüsse sind einkalkuliert

Nach ihrem schweren Radunfall kämpft Miriam Gössner wieder um den Anschluss an die Weltspitze. Die 24-Jährige ist die erfahrenste Biathletin im deutschen Weltcup-Aufgebot. Bild: dpa

Die deutschen Biathletinnen befinden sich nach dem Karriereende von Andrea Henkel im Neuaufbau. Der Fokus liegt auf der Jugend, die Trainer erhoffen sich Geduld und Rücksichtnahme. Die Männer sind in einer komfortableren Position und zuversichtlich.

Schon vor dem ersten Schuss des Biathlon-Winters warb Damen-Bundestrainer Gerald Hönig um Verständnis für sein stark verjüngtes Team. "Damit der Neuaufbau gelingt, ist es notwendig, dass altersgerecht gute Ergebnisse nicht schlecht gemacht werden und von Debakel geredet wird", sagte Hönig mit Blick auf den Saisonstart mit der Mixed-Staffel am Sonntag (15.30 Uhr/ZDF und Eurosport) in Östersund.

Ungewisse Zukunft

Für das erste Saisonrennen nominierten die Trainer am Donnerstag Franziska Hildebrand, Franziska Preuß, Arnd Peiffer und Simon Schempp. Miriam Gössner wird für ihr Comeback noch geschont. Auch Erik Lesser, zweimaliger olympischer Silbermedaillengewinner, startet erst in den Einzelrennen kommende Woche. Derweil stehen die in der Vergangenheit durch Magdalena Neuner, Kati Wilhelm und Andrea Henkel so erfolgsverwöhnten Skijägerinnen vor einer ungewissen Zukunft - Fehlschüsse und vorerst ausbleibende Erfolge einkalkuliert. Anders sieht es bei den Männern aus, die mit einer homogenen Mannschaft aufwarten.

Nach dem Desaster von Sotschi, wo die deutschen Biathletinnen erstmals in der olympischen Geschichte keine Medaille geholt hatten, und dem Karriereende der Grande Dame Andrea Henkel sowie dem Dopingfall Evi Sachenbacher-Stehle liegt das Durchschnittsalter im Team bei 22 Jahren. "Die Mädels haben viel Potenzial. Aber sie sind es auch wert, dass man ihnen Geduld entgegenbringt", erklärte Hönig.

Die bittere Erkenntnis von Sotschi war, dass die Nachwuchsarbeit bei den Damen angesichts der jahrelangen Erfolge sträflich vernachlässigt wurde. Nicht nur deshalb sind die Saisonziele bescheiden. "Ich wäre froh, wenn es uns gelingt, mit der einen oder anderen Athletin den Anschluss an die Weltspitze herzustellen", erklärte Hönig. Marie Heinrich (20), Luise Kummer (21), Annika Knoll (21) und Vanessa Hinz (22) sind vielen Fans noch so gut wie unbekannt. Auch die bereits weltcuperfahrenen Franziska Preuß (20) und Laura Dahlmeier (21) sind noch sehr jung. Und Franziska Hildebrand (27) gehörte bisher allenfalls zur erweiterten Weltspitze.

Männer-Coach Mark Kirchner hat hingegen keine großen Sorgen, denn die Skijäger haben den Umbruch erfolgreich vollzogen. Die Ansprüche sind hoch: "Neben dem erneuten Gewinn des Staffel-Weltcups sollten wir das Ziel haben, bei jedem Rennen zumindest einen in Podestnähe zu platzieren." Die olympische Silber-Staffel mit Erik Lesser, der auch Einzel-Silber gewann, Daniel Böhm, Arnd Peiffer und Simon Schempp ist für den Saisonauftakt gesetzt. Beim IBU-Cup in Beitostölen kämpfen am Wochenende unter anderem Andreas Birnbacher, Christoph Stephan, Florian Graf und Benedikt Doll um die letzten beiden Weltcup-Startplätze.
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