Feinste Maßarbeit der Bayern

Douglas Costa (Mitte) beschäftigt die Arsenal-Akteure Francis Coquelin (links) und Per Mertesacker. Die Bayern spazierten oft durch die Abwehr der Nord-Londoner und siegten mit 5:1. Bild: dpa+

Vielleicht hätten sie das dann doch sein lassen sollen - die Bayern zu ärgern. Nach dem 2:0 des FC Arsenal vor zwei Wochen gegen die Münchner, waren die am Mittwoch natürlich besonders gereizt. Und die nahmen fünf Mal Maß. Aber so was von genau.

München. Die Bayern nutzten an diesem Champions-League-Abend wirklich alles: Die Anfeuerung der Fans, um sich tragen zu lassen. Ihre technischen Fähigkeiten, um den Gegner meist auszuspielen. Die komplette Breite des Spielfeldes, um ihr Angriffsspiel immer wieder über die Außen anzukurbeln. Und dann auch noch die kompletten Ausmaße eines Fußballtores: Robert Lewandowski köpfte genau rechts unten ins Tor - 1:0. Thomas Müller traf mit seinem abgefälschten Schuss links unten - 2:0. David Alaba visierte mit seinem Kunstschuss den rechten, oberen Torwinkel an - 3:0. Und Arjen Robben bevorzugte das linke, obere Kreuzeck - 4:0. Alle Tore waren feinste Maßarbeit. Am Ende fertigte der deutsche Rekordmeister den Premier-League-Zweiten überdeutlich mit 5:1 (3:0) ab.

"Ich denke, vor allem die erste Halbzeit hat sehr viel Spaß gemacht", grinste David Alaba zufrieden. Alle hatten ihre Freude: Die Bayern-Fans unter den 70 000, die Spieler und natürlich der Trainer. "Eine große Gratulation an die Mannschaft", sagte Pep Guardiola sichtlich bewegt. "Vor allem für die erste Halbzeit." Dort hatten die Bayern nach leichten Anlaufschwierigkeiten richtig Schwung aufgenommen.

Normalerweise sind es dann ja auch die Torschützen, die so einem Spiel Farbe geben, die groß gefeiert werden. Aber in dieser Partie war schon nach wenigen Aktionen zu erkennen, dass dies der Abend von Ballstreichler Thiago werden könnte. Der Spanier tänzelte unentwegt, ein Übersteiger folgte dem nächsten, seine riskanten, gefährlichen Zuspiele kamen fast alle an. Und dann war er mit seinem schmächtigen Körper auch sehr geschickt im Zweikampf. "Er hat diese Persönlichkeit für wichtige Spiele", beschrieb Guardiola begeistert die Vorzüge seines Landsmanns, der in den vergangenen Jahren so viel Verletzungspech hatte. "In den wichtigsten Spielen ist er der Beste."

Gedanken an den Gerd

Diese Spiel war sehr wichtig für die Bayern. "Wenn wir verloren hätten, hätten wir noch ein bisschen Arbeit gehabt", erklärte Müller, der seinem Treffer vor der Pause noch einen in der Schlussminute folgen ließ. Es waren seine Königsklassen-Tore 31 und 32. Im Jubel war er auch bei seinem Namenskollegen, der am Dienstag seinen 70. Geburtstag gefeiert hatte. "Natürlich habe ich heute auch an Gerd Müller gedacht. Man kann nur den Hut ziehen vor dem, was er geleistet hat", würdigte er nach dem Arsenal-Spiel den an Demenz erkrankten "Bomber.

Guardiola mahnt

Gerd Müller hätte früher wahrscheinlich auch seine große Freude an so einer durchlässigen Abwehrkette wie die der Nord-Londoner am Mittwochabend gehabt. "Wir haben defensiv nicht gut gespielt", ätzte Trainer Arsene Wenger in Richtung seiner Abwehrleute. "Es waren zu viele Spieler unter ihrem Niveau." Nach vorne zweigte Arsenal aber immer wieder seine Gefährlichkeit. "In der zweiten Hälfte haben wir zu viele Konter zugelassen", fand der Bayern-Trainer doch noch einen Kritikpunkt. Die Londoner trafen aber nur durch Olivier Giroud. Andere wie Santi Cazorla versagten frei stehend vor Torwart Manuel Neuer.

Viel exakter arbeiteten da schon die Bayern. Thomas Müller traf in letzter Minute ganz genau ins rechte untere Toreck - Maßarbeit eben.
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