Fernsehen
Sind ARD und ZDF chancenlos beim Sport?

München. Die Kosten für Sportübertragungen steigen weiter, ein komplettes Aus für die öffentlich-rechtlichen Anstalten prophezeien Experten nicht. Nach dem endgültigen Verlust der Olympia-Rechte für ARD und ZDF müssen sich die TV-Zuschauer erst einmal nur bei den Spielen auf neue Sehgewohnheiten einstellen. "Ich würde nicht die Trendwende eingeläutet sehen. Es gibt auch gegenläufige Trends. Das ZDF etwa hat die Champions-League-Rechte gekauft, ein Fußballgut, das sehr lange und sehr gut in privatwirtschaftlichen Sendern lief", sagte Michael Schaffrath, der Leiter des Arbeitsbereichs für Medien und Kommunikation der Sportfakultät TU München. Nicht alles wird demnach künftig im Privatfernsehen gesendet.

ARD und ZDF dürfen von den nächsten vier Olympischen Spielen keine Wettkämpfe live übertragen, Rechte-Inhaber Eurosport will exklusiv senden. Nach dpa-Informationen haben die öffentlich-rechtlichen Sender für die Sub-Lizenzen von 2018 bis 2024 rund 200 Millionen Euro geboten, das US-Unternehmen Discovery etwa 300 Millionen Euro verlangt. Zahlen kenne auch er nur aus den Medien, sagte Schaffrath. "Aber man darf sich nicht erpressen lassen von einem amerikanischen Medienunternehmen." Er sprach von einem "sportmedienrechtlichen und sportmedienpolitischen Paukenschlag".

Bei den vorangegangenen Vergaben für Übertragungsrechte waren nicht nur bei Olympia Topzahlen erreicht worden. Für das exklusive Paket mit den TV-Rechten für den europäischen Markt zahlte Discovery 1,3 Milliarden Euro an das IOC. "Die Preisspirale im Bereich der Übertragungsrechte populärer Sportarten dreht sich ja schon lange und wird sich auch weiter drehen", prophezeite Joan Bleicher, stellvertretende Direktorin des Instituts für Medien und Kommunikation der Uni Hamburg.

Schwimmen im Free-TV


"Kommerzielle Sendeanstalten finanzieren die entstandenen Lizenzgebühren nicht nur durch Werbeeinnahmen, sondern etwa im Fall der digitalen Anbieter auch durch teure Exklusivangebote an ihre Abonnenten. Ob diese Finanzierungsform auch bei Olympia greift, bleibt abzuwarten", erklärte Bleicher. Wahrscheinlich gebe es "Kombinationen aus der Free-TV-Ausstrahlung wenig populärer Sportarten und Exklusivangeboten populärer Sportarten in Pay-TV-Angeboten".

Das schätzt Schaffrath etwas anders ein: "Was ich erwarte ist, dass Eurosport von Schwimmen und Leichtathletik im Free-TV intensive Livestrecken bedient, sonst würde das dem IOC nicht gefallen."

Das Forum für Randsportarten könnte allerdings kleiner werden, sagte Schaffrath. "Das ist für viele Sportarten ein problematisches Signal. Die Generierung von Sponsorengeldern wird für Randsportarten schwieriger werden." Olympia ohne ARD und ZDF bedeutet vermutlich weniger Aufmerksamkeit - und dadurch sinkt das Sponsoreninteresse.
Weitere Beiträge zu den Themen: Olympia (1)ARD und ZDF (1)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.