Fiasko für Lewis Hamilton

Wenig Freude kam bei der Siegerehrung in Monaco auf. Während Gewinner Nico Rosberg und der zweitplazierte Sebastian Vettel (links) verschmitzt lächeln, fährt sich der ausgebremste Lewis Hamilton mit der Hand über das Gesicht. Im Hintergrund links Prinz Albert II und seine Frau Prinzessin Charlene. Bild: dpa

Ein unfassbarer Aussetzer in der Mercedes-Kommandozentrale kostet Lewis Hamilton in Monaco den Sieg. Teamaufsichtsrat Niki Lauda fordert Aufarbeitung. Nico Rosberg profitiert und zeigt Mitgefühl. An der Taktikpanne hatte auch Sebastian Vettel seinen Anteil.

Vom unbeabsichtigen Sabotage-Akt des eigenen Teams bei Stallrivale Lewis Hamilton ließ sich Nico Rosberg den Appetit beim Diner im Fürstenpalast nicht verderben. Trotz allem Mitgefühl für den in Monte Carlo folgenreich ausgebremsten WM-Spitzenreiter genoss der deutsche Mercedes-Pilot seinen historischen Hattrick beim ultimativen Formel-1-Klassiker in vollen Zügen - selbst Rekordweltmeister Michael Schumacher sind drei Erfolge nacheinander dort nie gelungen. "Sieg ist Sieg im Sport", betonte Rosberg.

65 Runden dominant

Seinen zehnten in der Motorsport-Königsklasse vor Landsmann Sebastian Vettel im Ferrari hatte er aber nur einem Strategie-Fiasko der Silberpfeile um Hamilton zu verdanken, das trotz aller Beteuerungen noch lange nachwirken dürfte. 65 Runden war Hamilton am Sonntag beim Großen Preis von Monaco von der Pole Position aus ein dominantes Rennen gefahren, ehe er während der Safety-Car-Phase nach offiziellen Angaben auch wegen abbauender Reifen an die Box geholt wurde. Rosberg und auch Vettel zogen am Weltmeister vorbei.

"Die Entscheidung, ihn reinzuholen, war komplett falsch", schimpfte Mercedes' Teamaufsichtsratschef Niki Lauda. "Inakzeptabel" sei so etwas. Hamilton selbst fand keine Erklärung und rang nach den richtigen Worten. Konsterniert machte sich der Brite nach dem geraubten Sieg aus dem Staub. Klar ist: Nach dem fast unerklärlichen Aussetzer in der Kommandozentrale steht die Mercedes-Führungscrew unter immensem Wiedergutmachungsdruck. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff leistete nach dem Blackout bereits Abbitte: "Es war eine komplette Fehleinschätzung, es tut mir so leid. Wir haben es vermasselt."

Der Leidtragende war Hamilton. Lange rang er auf der Pressekonferenz nach Worten. "Du verlässt dich auf das Team. Ich dachte, die anderen würden auch an die Box kommen", beschrieb der 30-Jährige seine irrwitzige Schlussphase. "Ich bin mir sicher, dass wir uns später noch zusammensetzen und darüber nachdenken, wie wir etwas verbessern können."

Internationaler Spott

Das Werksteam indes wurde von internationalen Medien mit Spott überschüttet. "Mercedes sabotiert seinen großen Star", schimpfte "El País" nur wenige Tage nach Hamiltons Vertragsverlängerung. "L'Équipe" schrieb über den Engländer: "Verraten von seinem eigenen Team."
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