Fifa-Exekutive bekommt Reformvorschläge auf den Tisch - Niersbach hat's schwer
Unangenehm für betagte Herren

Geht es für Wolfgang Niersbach auch im Fifa-Exekutivkomitee abwärts? Bild: dpa
Nach einem Jahr voller Skandale treffen sich die verbliebenen Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees zu einer letzten Sitzung vor Weihnachten am Stammsitz des Fußball-Weltverbandes in Zürich. Für Wolfgang Niersbach wird das Meeting am Mittwoch und Donnerstag zu einer Bestimmung seines eigenen Standings in der Fußball-Weltregierung - Widerstand gegen den gestrauchelten DFB-Chef aus dem Gremium ist nicht ausgeschlossen. Wegweisende Hinweise könnte die Sitzung für den Fifa-Reformprozess geben.

Der Ort

Das prunkvolle Hauptquartier auf dem Zürichberg ist normalerweise nicht Versammlungsort für die traditionelle Dezembersitzung der Exekutive. Dass sich die Funktionäre diesmal hier treffen und nicht wie üblich am Ort der Club-WM (dieses Jahr in Japan), ist noch der Sorge von Joseph Blatter vor Auslandsreisen geschuldet. Als der Termin fixiert wurde, war der Dauer-Präsident noch nicht suspendiert. Seit dem Skandalbeginn Ende Mai reiste er nur einmal offiziell ins Ausland - zur Auslosung der WM-Qualifikationsgruppen ins "befreundete" Russland.

Top-Themen

Wie wandlungsfähig ist die Fifa wirklich? Bei der Sitzung des Exekutivkomitees bekommen die Entscheidungsträger des Weltverbands von Francois Carrard, dem Vorsitzenden der Reformkommission, die Vorschläge präsentiert, die im Februar 2016 beim außerordentlichen Kongress zu Statuten werden sollen. Sonderlich neu sind die meisten Ideen nicht. Alters- und Amtszeitbeschränkung wurden von den meisten der Anwesenden im Juni 2014 schon einmal abgelehnt. Carrard wird sich mit marginalen Änderungen nicht zufrieden geben - die Fifa wird auch ihre Strukturen verändern müssen, bis hin zu einer Veränderung des Exekutivkomitees selbst. Wie die meist betagten Herren auf solche Vorschläge reagieren, dürfte spannend werden.

Das Personal

Präsident Joseph Blatter, nicht mehr dabei. Vize-Chef Michel Platini, nicht mehr dabei. Generalsekretär Jérôme Valcke, schon eine Weile nicht mehr dabei. Das Meeting verdeutlicht den radikalen personellen Kahlschlag an der Fifa-Spitze in diesem Jahr. Aus deutscher Sicht noch interessanter: Wolfgang Niersbach wird trotz seines Rücktritts als DFB-Präsident sein Fifa-Amt ausüben. Das ist nach den Statuten kein Problem, weil seine Position im Weltverband nicht an seine nationale Funktion gekoppelt ist. Mit seiner klaren Reformposition hat sich Niersbach in diesem Jahr nicht nur Freunde gemacht. Das Establishment könnte nun gegen den 65-Jährigen arbeiten und ihm das Leben bei der Fifa ungemütlich machen.

Die Perspektive

Beim nächsten großen Fifa-Termin wird gefeiert. Am 11. Januar wird in Zürich der Weltfußballer 2015 gekürt. Danach müssen die Fußball-Macher Farbe bekennen. Die nächste Sitzung des Exekutivkomitees ist für den 24. Februar terminiert. Zwei Tage später wird beim außerordentlichen Kongress der Blatter-Nachfolger gewählt - und, so der allgemein postulierte Wille, eine Reformagenda verabschiedet.
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