Fifa im Kreuzfeuer der Kritik - Funktionäre aus Süd- und Mittelamerika am Pranger
Reform ist nicht gleich Wandel

Trotz der deutlichen Warnung aus den USA und der neuen Anklagewelle gegen Fußball-Funktionäre sieht die Fifa ihre als revolutionär deklarierten Reformpläne nicht beschädigt. Im Gegenteil. Am Tag nach der Festnahme von zwei weiteren Vizepräsidenten kurz vor dem Votum des Exekutivkomitees für ein umfangreiches Erneuerungskonzept lautete die Botschaft aus dem Hauptquartier des Weltverbandes: Die Reformen sind die richtige Antwort.

Kulturwandel

Von einem Nackenschlag oder getrübtem Reformeifer wollte man in der Administration in Zürich nichts wissen. "Es ist der Beginn eines Kulturwandels", hatte der umstrittene Interimschef Issa Hayatou die Haltung vorgegeben. Das internationale Echo auf die Schweizer Festnahmen, US-Ermittlungen und Reformentscheidungen war aber deutlich: Die Fifa steht wieder am Pranger.

"Die Fifa zeigt zum x-ten Male, wie sie vom Wandel spricht, ohne überhaupt zu wissen, was das heißt. Die Exekutive, oder was davon übrig bleibt, debattiert einen ganzen Tag über Transparenz, Altersgrenzen und neue Regeln, aber dann findet sie sich mit der Realität konfrontiert", schrieb die italienische Zeitung "La Stampa".

In England wurden erste Stimmen laut, die Fifa solle die Verbände aus Süd- und Mittelamerika suspendieren, ähnlich dem Leichtathletik-Schicksal Russlands wegen der Dopingvorwürfe. Dieser radikale Schritt gilt derzeit als ausgeschlossen. Möglich wäre er nur durch ein Votum mit Dreiviertel-Mehrheit im Fifa-Kongress. Unterstützung für ihre Reformbemühungen bekam die Fifa von einer langjährigen Kritikerin. "Das ist schon sehr weitgehend über das hinaus, was bisher in den vergangenen drei bis vier Jahren an Änderungen stattgefunden hat", sagte Sylvia Schenk, Leiterin der Arbeitsgruppe Sport bei Transparency International dem TV-Sender Sky. Die Vereinigung der europäischen Proficlubs fühlt sich hingegen übergangen. "Die Vereine sind nicht bereit, weiter ignoriert zu werden", teilte die ECA in einer Stellungnahme mit.

Weitere Ermittlungen

Die größere Gefahr für die Fifa und ihr Image liegt aber weiter in Amerika. US-Generalstaatsanwältin und Justizministerin Loretta Lynch machte mit ihren Aussagen in Washington deutlich, dass die Ermittlungen ihrer Behörde in der wohl größten Untersuchung gegen Korruption im Fußball weitergehen. Ruhe wird bei der Fifa also nicht einkehren, unabhängig aller Umstrukturierungen der Verbandsgremien, die nun bis zum außerordentlichen Kongress am 26. Februar den 209 nationalen Verbänden als letzter Hürde schmackhaft gemacht werden müssen.

Von wegen Fair Play

Neben fünf ehemaligen und früheren Mitgliedern des Exekutivkomitees sind unter den 16 der massiven Korruption beschuldigten Männern auch mehrere aktuelle Mitglieder der ständigen Fifa-Komitees - darunter ausgerechnet aus Abteilungen für Fair Play und soziale Verantwortung (Jimenez Brayan/Guatemala), der FIFA-Disziplinarkommission (Ariel Alvarado/Panama) und sogar aus dem Komitee für gute Unternehmensführung (Romer Osuna/Bolivien). Die festgenommenen Fifa-Vizepräsidenten Juan Angel Napout (Paraguay) und Alfredo Hawit (Honduras) sind mittlerweile von der Fifa-Ethikkommission für 90 Tage suspendiert worden.
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