Fragen immer drängender

Joseph Blatter (links) kann oder will keine Auskunft geben, wo die vom DFB überwiesenen Millionen geblieben sind. Wann reagiert endlich Franz Beckenbauer auf die Anschuldigungen von Theo Zwanziger (rechts)? Bild: dpa

Was steht in den ISL-Akten über das deutsche Sommermärchen? Warum stellte die Fifa 2003 merkwürdige Forderungen? Und vor allem? Wann äußert sich endlich Franz Beckenbauer? In der Affäre um die WM 2006 gibt es immer mehr Fragen - aber immer noch kaum Antworten.

Die Affäre um die WM 2006 in Deutschland wird immer größer. Denn möglicherweise geht es in dieser Geschichte um noch mehr dubiose Zahlungen als ohnehin schon bekannt. Dafür sprechen ein Bericht der "Süddeutschen Zeitung" über fragwürdige Fifa-Forderungen, das anhaltende Schweigen von Schlüsselfiguren wie Franz Beckenbauer - und weitere Aussagen von Theo Zwanziger.

2012 erste Zweifel

Der frühere DFB-Präsident lenkte die Aufmerksamkeit am Wochenende auf die Akten zu dem Korruptionsskandal um den früheren Fifa-Vermarkter ISL, der bis zu seiner Pleite im Jahr 2001 zahlreiche Funktionäre des Fußball-Weltverbandes mit Millionensummen bestochen hatte. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sprach der 70-Jährige von einem "Schmiergeldteppich", der in diesen Akten zu finden sei. Zwanziger hat nach eigenen Angaben erst nach Einsicht der Akten im Jahr 2012 erste Zweifel an der damaligen DFB-Version zu jenen ominösen 6,7 Millionen Euro bekommen, die im Zentrum der Affäre stehen. Ebenfalls 2012 hatte er angesichts der "vielen Geldflüsse" in dem ISL-Skandal eine Untersuchung der WM-Vergabe durch die Fifa-Ethikkommission angemahnt.

Die "Süddeutsche Zeitung" enthüllte derweil einen Fall, der ähnlich tief auf die Geschäftspraktiken der Fifa blicken lässt wie die 6,7 Millionen, die der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus entweder im Jahr 2000 oder 2002 für das deutsche WM-Organisationskomitee an den Fußball-Weltverband überwiesen hatte. Dem Bericht zufolge soll die Fifa im Jahr 2003 auf einmal 40 Millionen Euro vom deutschen OK verlangt haben - 33 Millionen für die Informations-Technik der WM 2006 und 7 Millionen "zum Zeichen der deutschen Solidarität mit Afrika", wie aus OK-Akten der Bundesregierung hervorgeht.

Ominöse "Afrika-Hilfe"

Das Organisationskomitee und sein Chef Franz Beckenbauer hätten empört und ablehnend auf diese Forderung reagiert. Später sei "offenkundig unter Einschaltung der Regierung" eine Lösung gefunden worden, die nur eine Zahlung von 20 Millionen Euro inklusive Beteiligung des OK an eventuellen Gewinnen vorsah. Entscheidend ist aber auch hier die Frage: Wozu verlangt die Fifa von einem deutschen WM-OK sieben Millionen Euro als "Afrika-Hilfe"? Darauf gibt es ebenso wenig eine schlüssige Antwort wie auf die nach wie vor zentrale Frage: An wen flossen wann genau die ominösen 6,7 Millionen?

Erst 2002 zur Sicherung eines Organisations-Zuschusses von der Fifa, wie es der Deutsche Fußball-Bund und sein schwer angeschlagener Präsident Wolfgang Niersbach behaupten? Dazu sagte der gesperrte Fifa-Präsident Joseph Blatter der Zeitung "Schweiz am Sonntag": "Ich habe niemals Geld von Beckenbauer verlangt. Nie im Leben. Auch nicht vom DFB. Das stimmt einfach nicht." Oder diente das Geld möglicherweise doch schon vor der WM-Vergabe zur Bestechung von stimmberechtigten Fifa-Funktionären, wie es die Recherchen des "Spiegels" und die Aussagen von Zwanziger nahelegen?

Noch stehen hier Aussagen gegen Aussagen, noch gibt es für nichts einen konkreten Beleg. Und vor allem: Noch immer schweigt die wahrscheinlich einzige Person, die alle Fragen beantworten könnte und deshalb im Zentrum der Affäre steht: Franz Beckenbauer. Nicht ein Vertreter aus dem Fußball forderte ihn oder auch Günter Netzer am Wochenende dazu auf, sich endlich einmal zu äußern. Netzer, so der "Spiegel", soll Zwanziger gegenüber 2012 die Bestechung von vier asiatischen Fifa-Funktionären zugegeben haben - was der Weltmeister von 1974 jedoch bestreitet.
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