"Frodo"-Show im Glutofen

Jan Frodeno lässt seinen Emotionen freien Lauf, als er als Erster die Ziellinie überquert. Bild: dpa

Jan Frodeno ist an der Spitze der weltbesten "Eisenmänner" angekommen. Er holt sich in der Hitze von Frankfurt bei der Ironman-EM in den Titel und entzaubert Titelverteidiger Sebastian Kienle sogar auf dem Rad. Es war erst sein drittes Rennen über die Strecke.

In der erbarmungslosen Hitze quälte sich der neue Ironman-Europameister Jan Frodeno einige hundert Meter vor dem Ziel auch noch zu einem Lächeln. Nach einer fast achtstündigen Tortur bei Temperaturen von knapp 40 Grad gewann der Triathlon-Olympiasieger am Sonntag auf dem Römerberg in Frankfurt/Main den Titel zum ersten Mal. Er entschied das Duell mit seinem Kumpel und Vorjahressieger Sebastian Kienle klar für sich und zählt nun zu den großen Favoriten für den Saisonhöhepunkt im Oktober beim Klassiker auf Hawaii.

Im Ziel fiel der 33-Jährige seinem Trainer Dan Lorang und seiner Frau und Olympiasiegerin Emma Snowsill erschöpft und überglücklich in die Arme. "Ich bin schon so oft auf verschiedenen Distanzen am Europameistertitel vorbeigeschrammt. Neben Olympia gibt es keine schönere Bühne als hier", sagte der Saarbrücker nach dem ersten Sieg in seinem erst dritten Ironman-Rennen.

Der unter anderem im spanischen Girona lebende und trainierende Frodeno deklassierte über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen die Konkurrenz. Er verbesserte dabei in 7:49:48 Stunden den Streckenrekord von Vorjahressieger Kienle um mehr als fünf Minuten. Einen Tag vor seinem 31. Geburtstag erreichte der Hawaii-Sieger nach 8:01:39 Stunden vor zehntausenden Zuschauern vor dem Rathaus die Ziellinie und sackte entkräftet zusammen. Frodeno war als einer der ersten bei ihm und versorgte ihn mit Wasser. Wenig später macht Kienles Trainingspartner Andreas Böcherer aus Freiburg als Dritter den deutschen Dreifach-Erfolg perfekt.

"Ich habe alles getan und gekämpft. Ich hatte das Gefühl, dass ich mit kleinen Wachsflügeln mitten in die Sonne hineingeflogen bin", beschrieb Kienle sein Leiden. "An so einem Tag, an dem der Jan so eine Show abliefert, darfst du dir keine Schwäche erlauben." Von Schwächen war bei Frodeno auf den 226 Wettkampfkilometern nichts zu sehen. Er stieg als Erster aus dem Wasser des Langener Waldsee. Auf Kienle hatte er einen Vorsprung von 4:01 Minuten. Auch auf dem Rad kontrollierte Frodeno überraschend souverän das Feld. "Es ist schön, wenn eine Überraschungstaktik aufgeht, die niemand erwartet - inklusive mir", sagte er über seinen Radcoup.

Kienle fuhr schnell auf Platz zwei, nahm mit Böcherer die Verfolgung auf und verkürzte zwischenzeitlich den Abstand bis auf 1:11 Minuten. Doch Frodeno konterte - und wie. In 4:08:44 Stunden unterbot er die Radstrecken-Bestmarke von Kienle aus dem Vorjahr um fast dreieinhalb Minuten. Auch der Titelverteidiger war um mehr als eine Minute schneller als 2014. Und dennoch betrug der Vorsprung von Frodeno 6:02 Minuten, bevor es auf die Laufstrecke ging. Dort ließ er trotz der Hitze nichts mehr anbrennen und lag zwischenzeitlich sogar auf Kurs Weltbestzeit.

Schon vor einem Jahr war Frodeno nah dran, gleich in seinem Ironman-Debüt den Titel zu holen. Reifenpech verdarb ihm alle Siegchancen. Auch die Vorbereitung auf das diesjährige Rennen lief für Frodeno nicht optimal. Zwei Radstürze brachten ihn ein aus dem Tritt. Nun zeigte er trotzdem, dass er auf dem Weg ist, die nächsten Jahre bei den "Eisenmännern" zu dominieren.

Bei den Frauen gewann die Schweizerin Daniela Ryf ebenfalls mit Streckenrekord in 8:51:00 Stunden. . Zweite wurde Julia Gajer aus Ditzingen.
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