Frommhold erwischt Traumtag

Trotz aller Strapazen konnte Nils Frommhold auf der Marathonstrecke sogar noch lächeln. Im Ziel hatte der Roth-Sieger über fünf Minuten Vorsprung auf die Konkurrenz. Bild: dpa

Im Vorjahr hatte er den Sieg beim hochkarätig besetzten Triathlon in Roth noch knapp verpasst, nun aber war Nils Frommhold nicht zu bezwingen. Sicher auch, weil er auf eine Cappuccino-Pause verzichtet hatte - trotz aller gut gemeinten Empfehlungen der Konkurrenz.

Die Ehrenrunde brachte Nils Frommhold humpelnd hinter sich, danach ließ sich der Triathlet erschöpft in eine Werbebande fallen. Mit einer Glanzleistung sicherte sich der 28 Jahre alte Potsdamer am Sonntag neben dem ersehnten Sieg bei der Challenge Roth auch den deutschen Meistertitel über die Langdistanz. Im Ziel waren die Kräfte weg, aber der Stolz überwog. "Ich bin einfach nur überwältigt. Ich habe die letzten drei Kilometer noch nie so gelitten", kommentierte Frommhold, der einen Erfolg bei der Traditionsveranstaltung in Mittelfranken schon lange im Visier hat.

Bei besten klimatischen Bedingungen setzte sich der Brandenburger in einer Weltklassezeit von 7:51:28 Stunden durch. Vorjahressieger Timo Bracht, der am 22. Juli 40 Jahre alt wird, blieb nach 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42,195 Kilometern Laufen nur Rang zwei. Dem Mannheimer fehlten am Ende 5:03 Minuten auf den überragenden Frommhold. "Als Zweiter bist du immer ein bisschen der Gelackmeierte", urteilte Bracht und attestierte Frommhold einen "Traumtag". "Ich hatte auch einen ausgezeichneten Tag, aber die paar Prozent haben heute gefehlt", bemerkte der Triathlon-Altmeister.

Dritter wurde der Australier David Dellow, der exakt acht Minuten nach dem Sieger die Ziellinie überquerte. Bei den Frauen büßte die lange führende Lokalmatadorin Anja Beranek bei ihrem fränkischen Heimspiel kurz vor Schluss noch zwei Positionen ein und musste sich mit Rang drei begnügen. Trost für die 30-Jährige war der deutsche Meistertitel, mit dem die beste Deutsche im internationalen Topfeld automatisch ausgezeichnet wurde. Die Niederländerin Yvonne van Vlerken holte in 8:50:53 Stunden ihren dritten Sieg in Roth nach 2007 und 2008; auf Rang zwei kam die Australierin Carrie Lester.

Frühmorgens um 6.30 Uhr hatten die ersten von insgesamt rund 3400 Einzelstartern am Main-Donau-Kanal in Hilpoltstein das Rennen aufgenommen - und gleich behaupteten sich Frommhold und Bracht an der Spitze. Die Vorentscheidung im Männerrennen fiel auf der Radstrecke, als sich Frommhold einen Vorsprung von über elf Minuten auf Bracht herausarbeitete. "Ich habe bei dem Rückstand gedacht: Da kann er sich erst mal einen Cappuccino bestellen", scherzte Bracht hinterher.

Frommhold büßte zwar noch ein paar Minuten ein, in Gefahr kam er aber nie. Und durfte somit den größten Erfolg seiner Karriere bejubeln. Schon im Vorjahr hatte er als Roth-Zweiter und WM-Sechster von Hawaii auf sich aufmerksam gemacht.

Ergebnisse

Männer (3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42,195 km Laufen): 1. Nils Frommhold (Potsdam) 7:51:28 Std.; 2. Timo Bracht (Mannheim) 7:56:31; 3. David Dellow (Australien) 7:59:28; 4. Per Bittner (Osterburg) 8:04:29; 5. Stefan Schmid (Weilheim) 8:11:04; 6. Markus Fachbach (Kadenbach) 8:13:26

Frauen (3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42,195 km Laufen): 1. Yvonne van Vlerken (Niederlande) 8:50:53 Std.; 2. Carrie Lester (Australien) 8:53:09; 3. Anja Beranek (Erlangen) 8:55:19; 4. Gina Crawford (Neuseeland) 9:04:45; 5. Daniela Sämmler (Darmstadt) 9:09:33; 6. Svenja Bazlen (Tübingen) 9:22:34
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