Für Löw scheint die Sonne

Christoph Kramer (vorne) dürfte beim EM-Qualifikationsspiel in der Startformation stehen: Der Gladbacher war auch dabei, als die deutsche Elf Mitte Mai in einem Freundschaftsspiel 0:0 gegen die Polen spielte. Damals fehlte bei den Deutschen allerdings mehr als die halbe Mannschaft. Bild: dpa

Warschau? Da war doch was. Das 1:2 gegen Italien bei der EM 2012 hat Joachim Löw abgehakt. Gegen Polen geht am Samstag, 11. Oktober, auf dem Weg zur nächsten EM der Personalumbruch beim Weltmeister notgedrungen weiter. Doch es herrscht Zuversicht.

Auf der ersten Auslandsreise mit seinen Weltmeistern konnte Joachim Löw gleich wieder seine Siegersonnenbrille aufsetzen. Warschau empfing den Bundestrainer und seine durch viele Verletzungen dezimierte Champion-Truppe um Ersatzkapitän Manuel Neuer nach dem 80-Minuten-Sonderflug aus dem regengrauen Frankfurt mit herrlichem Sonnenschein. Vom Sommerrausch in Rio ist vor dem Duell in der EM-Qualifikation am Samstag, 11. Oktober (20.45 Uhr/RTL) , gegen die von Robert Lewandowski angeführten Polen bei der Nationalmannschaft aber wenig zu spüren. Löw hat auf den Punkte-Modus zurückgeschaltet und wirkt wieder fokussiert wie in den Tagen von Brasilien.

"Wir sehen, dass es nicht ganz so einfach ist, dass die Spiele schwer sind, dass die Gegner versuchen, etwas herauszukitzeln, um den Weltmeister zu stürzen", warnte Löw, der mit einem "hartnäckigen" und "aufsässigen" Kontrahenten rechnet. "Die Zuschauer werden nicht kommen, um den Weltmeister zu feiern", sagte Löw vor der emotionalen Partie vor erwarteten 58 000 Zuschauern im Nationalstadion - dem Ort der letzten Pflichtspielniederlage.

Nicht nur Lewandowski

Den Gegner wollte der DFB-Chefcoach nicht auf die Formel reduzieren: "Wer hat Angst vor Robert Lewandowski?" Der Bayern-Angreifer in Top-Form ist laut Löw "einer der drei besten Stürmer der Welt". Der Bundestrainer fügte aber an: "Polen ist nicht nur Lewandowski. Es reicht nicht, nur ihn aus dem Spiel zu nehmen. Wir haben die ganze Mannschaft auf der Rechnung, zumal sie sicher auch vom eigenen Publikum in Warschau nach vorn getrieben werden", warnte Löw. Dennoch sollen gleich beide Innenverteidiger, Jérôme Boateng und Mats Hummels, wie Löw verriet, den Bayern-Angreifer bremsen. "Man weiß, dass er nicht von einem aus dem Spiel genommen werden kann. Sie müssen sich gegenseitig unterstützen."

Die Vorbereitung stand unter keinem guten Stern, gab Löw zu: "Einige Planungen wurden über den Haufen geworfen. Man spürt im Training, dass es Zeit gebraucht hat, um Abläufe reinzubekommen." Die Ausfälle von Kapitän Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira, Benedikt Höwedes, Marco Reus und Mario Gomez wogen schwer genug. Die Knieblessur von Mesut Özil verlängerte die Pechsträhne. Torwart Neuer will die Verletztenliste und die Veränderungen im Team aber nicht überbewerten. Klar: So ein Umbruch gehe "nicht von heute auf morgen", betonte der beste WM-Torwart. "Dennoch haben wir jetzt ein Pflichtspiel vor der Brust. Ich denke, dass wir schon eine gute Leistung abrufen können." Wieder einmal muss der Bundestrainer sein Team zurecht basteln. In der neu zu formierenden Abwehr deutete einiges daraufhin, dass Lewandowskis Schatten Boateng und Hummels von Antonio Rüdiger (rechts) und Erik Durm (links) flankiert werden.

Rückt Kroos vor?

Auch sein Mittelfeld muss Löw umbauen. Thomas Müller, der wie Julian Draxler ein Kandidat für die Zentrale ist, wenn Löw Toni Kroos nicht nach vorne zieht, sieht die Lage gelassen. "Wir sind keine Spielertypen, die auf eine Position fixiert sind. Wenn man böse sein will, sagt man, wir laufen wild durcheinander, positiv ausgedrückt, rochieren wir. Ich sehe keine Problem", sagte der Bayer.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9311)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.