Fußball
Bedeutend und umstritten

Von 1974 bis 1998 Jahre führte der umstrittene Brasilianer Joao Havelange den Weltfußballverband. Kurz nach seinem 100. Geburtstag ist er am Dienstag gestorben. Bild: dpa

Er machte die Fifa zum Weltkonzern, die Fußball-Weltmeisterschaften wurden immer größer - aber Korruptionsvorwürfe überschatten sein Lebenswerk. Drei Monate nach seinem 100. Geburtstag ist João Havelange gestorben. Sein Ziehsohn würdigt ihn mit warmen Worten.

Rio de Janeiro. Der langjährige Fifa-Präsident João Havelange ist im Alter von 100 Jahren gestorben. Das bestätigte das Krankenhaus Samaritano am Dienstag in Rio de Janeiro. Havelange führte den Fußball-Weltverband von 1974 bis 1998. Unter seiner Regie wuchs die Fifa zum Weltkonzern. Der Brasilianer mit belgischen Wurzeln war einer der bedeutendsten Sportfunktionäre der Welt, aber auch einer der umstrittensten. Havelange war im Juli mit einer Lungenentzündung in das Hospital eingeliefert worden, am Dienstagmorgen starb er dort.

Autoritärer Patriarch


Am 8. Mai war er 100 Jahre alt geworden. Das Leichtathletikstadion der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro trägt seinen Namen, was aber wegen der Korruptionsvorwürfe während seiner Fifa-Präsidentschaft umstritten ist. Seinen Titel als Fifa-Ehrenpräsident gab er 2013 ab.

Die Fußball-Weltmeisterschaft wurde unter seiner Führung von 16 erst auf 24, dann auf 32 Mannschaften ausgeweitet, lukrative Fernseh- und Marketingverträge ließen die Kassen der Fifa klingeln. Aber er war als autoritärer Patriarch umstritten und protegierte diktatorische Regimes. 1978 fand die WM in Argentinien statt, wo eine Militärjunta herrschte. Vor allem aber sorgten zweifelhafte Geschäfte und Deals für Kritik. Die bankrotte Sportmarketing-Firma ISL soll rund 100 Millionen Dollar in den 1990er Jahren an hochrangige Funktionäre gezahlt haben, unter ihnen Havelange. Als Gegenleistung wurden der ISL lukrative TV- und Vermarktungsrechte vermittelt. Joseph Blatter war unter Havelange Fifa-Generalsekretär und wurde von ihm gefördert. Er wurde sein Nachfolger, bis er 2015 im Sog der Korruptionsaffäre sein Amt niederlegte und mit einer Ethiksperre belegt wurde.

"Der Fußball schuldet ihm einen großen Dank und ich verneige mich vor ihm und bedanke mich bei ihm, dass er diese Initiative ergriffen hat und mit so viel Geist und Esprit vorwärtsgegangen ist", schrieb Blatter in einem Nachruf. Der amtierende Fifa-Chef Gianni Infantino reagierte in einem deutlich kürzeren Statement und erst nach Blatter auf die Nachricht von Havelanges Tod. "In seinen 24 Jahren als Fifa-Präsident wurde der Fußball zu einem wahrlich globalen Sport, erreichte neue Territorien und wurde in alle Ecken der Welt gebracht. Dafür sollte die Fußball-Familie dankbar sein", hieß es einer Fifa-Reaktion.

Havelange hatte wegen der Vorwürfe gegen ihn die Ehrenpräsidentschaft der Fifa 2013 niedergelegt. Er war von 1963 bis 2011 zudem 48 Jahre Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Zweimal nahm er selbst an Olympia teil, als Schwimmer 1936 in Berlin und als Wasserballer 1952 in Helsinki. Havelanges Vater stammte aus Belgien, er war Anfang des 20. Jahrhunderts nach Brasilien ausgewandert.
Weitere Beiträge zu den Themen: Fußball (1559)Fifa (27)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.