Fußball
Blatter wehrt sich gegen Strafe

Zürich. Fifa-Präsident Joseph Blatter hat vor seiner Aussage vor den Ethik-Hütern des Fußball-Weltverbands seine Argumente gegen eine längere Sperre bekräftigt. Die Zahlung von zwei Millionen Franken an den ebenfalls suspendierten Uefa-Chef Michel Platini im Jahr 2011 sei völlig korrekt gewesen, beteuerte Blatter im Interview der Schweizer "Weltwoche" (Donnerstag). "Der Platini-Vertrag ging durch die Finanzkommission, durch das Exekutivkomitee und durch die Kontrollorgane. Er passierte auch den Kongress. Alles wurde abgesegnet", sagte Blatter.

Entsprechend forderten seine Anwälte einen Freispruch und die Aufhebung der Suspendierung. "Die Beweise haben gezeigt, dass sich Präsident Blatter ordnungsgemäß verhalten und sicher nicht gegen den Ethikcode verstoßen hat", teilten die Blatter-Anwälte mit.

Der 79-Jährige wurde am Donnerstag rund acht Stunden von der rechtsprechenden Ethik-Kammer befragt. Um kurz nach 17.00 Uhr verließ Blatter mit seinem Anwalt Lorenz Erni in einer Limousine die Fifa-Zentrale in Zürich, gab aber keinen Kommentar zur Verhandlung ab. "Ich habe in meinen vierzig Jahren bei der Fifa weder gegen ethische noch juristische Regeln verstoßen", hatte Blatter zuvor in dem Interview versichert. Ein Urteil des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert in dem Fall wird für den 21. Dezember erwartet.

50 Konten gesperrt


Unterdessen wurden im Zusammenhang mit der Fifa-Korruptionsaffäre in der Schweiz rund 50 Konten heutiger und ehemaliger Funktionäre gesperrt. Nach Angaben des Schweizer Bundesamts für Justiz (BJ) ist ein "hoher zweistelliger Millionenbetrag" eingefroren. Das Bundesamt habe auf Ersuchen der amerikanischen Ermittler zehn Schweizer Geldhäuser kontaktiert und Informationen angefordert.

Das US-Justizministerium hat eine Reihe heutiger oder früherer Fifa-Funktionäre angeklagt. Ihnen wird unter anderem vorgeworfen, bei der Vermarktung internationaler Turniere Schmiergelder kassiert zu haben. Inzwischen hat die Polizei auch den früheren Vorsitzenden des salvadorianischen Fußballverbandes, Reynaldo Vásquez, festgenommen. Die USA haben seine Auslieferung beantragt.

Platini sollte am Freitag von den Ethik-Hütern vernommen werden, verzichtet jedoch auf eine Aussage. Er wirft den Juristen eine Vorverurteilung und ein politisch motiviertes Verfahren vor, das seine Kandidatur für die Blatter-Nachfolge verhindern solle.

"Schweizer des Jahres"


Pünktlich zur Anhörung des Fifa-Chefs hing an den Züricher Kiosken die jüngste Ausgabe der "Weltwoche", die auf dem Titel ausgerechnet Blatter zum "Schweizer des Jahres" erklärte. Als "unermüdlichen und bewundernswerten Fußballkämpfer für eine bessere Welt", wie ihn das konservative Blatt umschmeichelte, sieht Blatter sich auch selbst noch immer. "Eigentlich müsste man mir ein Diplom überreichen für das, was ich hier erreicht habe", ließ der langjährige Fifa-Regent wissen. Und aus Moskau richtete Kremlchef Wladimir Putin sogar aus: "Das ist mal jemand, dem man den Friedensnobelpreis geben sollte."
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