Fußball
Bloß kein Rückstand gegen diese Italiener

 
Michael Köllner ist seit März 2016 ein "Clubberer". Der 42-Jährige leitet das Nachwuchsleistungszentrum des 1. FC Nürnberg und trainiert die U21 des Zweitligisten. Bild: hfz

Weiden. "Es wird schwer, brutal schwer." Mit wenigen Worten drückt Michael Köllner aus, was viele deutsche Fußballfans vor dem EM-Viertelfinalspiel befürchten. "Italien ist ein Top-Team", sagt der aus Fuchsmühl (Landkreis Tirschenreuth) stammende Fußball-Lehrer. Und er erklärt, wieso das DFB-Team auf einen Gegner mit Qualität trifft: "Zum ersten mal seit Jahren sind die Italiener nicht nur extrem stark in der Defensive. Sie können jetzt auch unaufhörlich pressen und beherrschen den Rhythmuswechsel perfekt."

Routiniers laufen


Spanien habe die wiedergewonnene Stärke der Azzurri zu spüren bekommen, hat Köllner beobachtet. "Die sind zum Teil überhaupt nicht in Ballbesitz gekommen." Taktische Disziplin, Zweikampfstärke, Erfolgshunger - das sind laut dem ehemaligen DFB-Stützpunkt-Koordinator die Attribute, die das italienische Spiel auszeichnen. "Antonio Conte hat mit seiner emotionalen Art sogar seine Routiniers zum Laufen gebracht. Die sind mehr unterwegs als in ihren Vereinen", lobt Köllner den Trainer. Sein Fazit: "Das Paket, das Italien anbietet, ist unglaublich gut."

Damit Deutschland gegen den Angstgegner bestehe, seien mehrere Faktoren entscheidend. "Wir haben bei großen Turnieren immer gegen Italien verloren. Diese Historie muss unbedingt aus den Köpfen der Spieler", fordert Köllner und sieht Bundestrainer Joachim Löw in der Pflicht: "Er muss dafür sorgen, dass die Negativserie für die Psyche keine Bedeutung hat." Mit Seelendoktorei sei es aber alleine nicht getan. "Wir werden im Vergleich zum Slowakei-Spiel noch eine ordentliche Schippe drauf legen müssen."

Gomez der Richtige?


Von der Taktik her sieht Köllner zwei knifflige Aufgaben auf den Weltmeister zukommen. "Wir treffen auf ein ungewohntes System, weil Italien ein 3-5-2 spielt", legt er dar. Dies bedeute, dass die beiden Innenverteidiger Jérôme Boateng und Mats Hummels immer wieder in Ein-zu-eins-Situationen gezwungen würden. "Sami Khedira hat eine Schlüsselrolle. Er muss als Sechser unbedingt helfen." Leichte Zweifel hat Köllner zudem bezüglich Mario Gomez. "Ich weiß nicht, ob er der Richtige ist, um sich gegen diese robuste Abwehr durchzusetzen. Vielleicht kann er ja über seine Verhältnisse spielen." Hart ins Gericht geht der Fußball-Lehrer mit dem Niveau der EM-Spiele. "Vor allem die Vorrunde war mehr als dürftig." Für die magere Kost hat er eine Erklärung: "Das war abzusehen bei einem Feld mit 24 Teilnehmern. Wenn man als Dritter fast sicher weiterkommt, dann muss man auch nichts riskieren."

Einen klaren Tipp will Köllner für den Klassiker nicht abgeben. Nur so viel: "Das wird eine zähe Nummer. Sollten wir in Rückstand geraten, dann ist das Spiel für uns weg." Nach 90 Minuten, so prophezeit er, werde es 0:0 oder 1:1 stehen: "Dann wünsche ich natürlich uns den Sieg." Und wer holt den EM-Titel? "Egal ob Deutschland oder Italien", sagt Köllner. "Der Sieger hat eine große Chance, das Turnier zu gewinnen."

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Michael Köllner ist einer von wenigen Fußball-Lehrern in der Region. Der 42-Jährige war mehr als zwölf Jahre für den DFB als Stützpunktkoordinator unterwegs. Im Juli 2014 wechselte er von der Verbandstätigkeit als B-Juniorentrainer zur SpVgg Greuther Fürth. Seit März 2016 ist der aus Fuchsmühl stammende Köllner Leiter des Nachwuchsleistungszentrums des 1. FC Nürnberg.
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