Fußball Bundesliga
Hannover 96: Putsch gegen Club-Chef Kind?

Abgang aus der Bundesliga: Hannover 96 steht seit Sonntag als erster Absteiger fest. Bild: dpa

Hannover. Direkt nach dem fünften Abstieg aus der Fußball-Bundesliga steht Hannover 96 vor entscheidenden Tagen. Club-Chef Martin Kind muss zunächst am Dienstag die Mitgliederversammlung schadlos überstehen - und anschließend soll mit der Beantwortung der Trainerfrage der wichtigste Schritt für die Zukunft getan werden.

"Wir kommen wieder!"


Das Ziel nach dem Ende des 14-jährigen Gastspiels in der Elite-Liga hat Kind bereits ausgegeben. "Wir wollen wieder aufsteigen", sagte der mächtige Mann im Club: "Hannover gehört in die Bundesliga." Die Pressestelle twitterte unmittelbar nach dem Aus: "Wir kommen wieder!"

Obwohl sich der Niedergang seit Wochen abzeichnete und das Ende zuletzt nur noch eine Frage des Zeitpunktes war, gab Kind am Sonntag beim NDR zu: "Ein Abstieg tut weh, das ist schmerzhaft. Alles andere wäre unehrlich." Das Bundesliga-Aus schon drei Spieltage vor dem Ende der Saison sei ein "Prozess der letzten zwei bis drei Jahre".

Die Rückkehr soll hingegen nur ein Jahr dauern, dafür will Kind sorgen. Allerdings steht ihm zunächst ein äußerst unangenehmer Termin bevor: Bei der Mitgliederversammlung wird der Aufsichtsrat gewählt; dieser wiederum bestimmt den Vereinsvorsitzenden. Kind könnte diesen Posten also verlieren, wenn sich seine Gegner bei der Wahl durchsetzen und die Mehrheit in dem Gremium erringen. In Hannover wird daher hinter vorgehaltener Hand schon von einem bevorstehenden Putschversuch gesprochen. Die spannende Frage ist, ob Kind in seinen anderen Funktionen weitermachen würde, wenn er die Leitung im Stammverein verliert. Der Unternehmer ist nicht nur größter Einzel-Gesellschafter in der wichtigen 96 Sales & Service GmbH & Co. KG, er ist auch Geschäftsführer in allen Gesellschaften des verzweigten Unternehmens rund um den 96-Profi-Fußball. Kind kann froh sein, dass die Stimmung seit dem jüngsten Trainerwechsel nicht mehr ganz so explosiv ist. Unter Daniel Stendel als Nachfolger des gescheiterten Thomas Schaaf hat 96 kein Spiel verloren, holte fünf Punkte aus drei Spielen. Für die große Wende war das zu spät, doch die Fans unterstützen die Mannschaft nun wieder.

Für Martin Bader ist die Arbeit durch die unerwarteten Erfolge schwerer geworden. Der zweite Mann bei Hannover 96, der den Geschäftsführerposten hat, soll einen neuen Trainer präsentieren - doch die meisten Anhänger wollen Stendel weiter im Amt sehen.

Stendel soll nach dem Ende seiner Sechs-Spiele-Mission "seine Arbeit im Nachwuchsleistungszentrum wieder aufnehmen", sagte Bader bei der Vorstellung. Doch mit jedem Erfolg des noch ungeschlagenen Bundesliga-Novizen wird es schwieriger zu erklären, warum schon wieder ein neuer Trainer geholt werden muss. In Hannovers Zeitungen werden der zuletzt in Kaiserslautern tätige Kosta Runjaic und Ex-Trainer Mirko Slomka als Kandidaten gehandelt. Möglichst noch in dieser Woche soll eine Entscheidung fallen.

Zieler: Ausstiegsklausel


Anschließend muss Bader mit dem neuen Coach das Absteiger-Team umbauen. Als sicher gilt vor allem der Abschied von Ron-Robert Zieler, denn der National-Torwart besitzt in seinem Vertrag eine Ausstiegsklausel von geschätzten drei Millionen Euro. Und auch Kind findet: "Ein Nationaltorhüter sollte in der 1. Liga spielen."
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