Fußball Champions-League
Bitteres Aus für FC Bayern

Eine Schlüsselszene beim Aus des FC Bayern gegen Atlético Madrid: Gästetorwart wehrt den Foulelfmeter von Thomas Müller ab. Bild: dpa

In einer denkwürdigen Fußballnacht verpasst der FC Bayern München das Finale der Champions-League. Die Mannschaft gibt alles, scheitert aber an Atlético Madrid. Bitterer geht es kaum.

München. Die Bayern-Spieler sanken zu Boden, in der Kurve feierten die Fans dennoch ihre geschlagenen Gewinner. In einer dramatischen Fußballnacht hat sich der Halbfinal-Fluch des deutschen Meisters unter Trainer Pep Guardiola auf bitterste Weise fortgesetzt. Beim Sturmlauf ins Champions-League-Finale wurden die Münchner von einem Kontertor des Franzosen Antoine Griezmann in der 54. Minute jäh gestoppt. Trotz eines 2:1 (1:0)-Sieges schieden die Münchner aus. "Unsere Mannschaft hat großartig gespielt. Sie hat verdient gewonnen und sie hätte es auch verdient gehabt, nach Mailand zu fahren", sagte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Müller verschießt Elfmeter


Der unglücklichste Mann am Dienstagabend war Thomas Müller. Nach dem Führungstor von Freistoßschütze Xabi Alonso (31.) unterlief dem Weltmeister ein folgenschwerer Fehlschuss vom Elfmeterpunkt. "Der Fußball ist manchmal extrem gemein", meinte Müller, "natürlich bin ich schon enttäuscht, dass ich ihn nicht verwandeln konnte". Der sonst so sichere Schütze scheiterte vor 70 000 geschockten Zuschauern am starken Atlético-Torwart Jan Oblak (34.). "Er hat so viele Elfmeter schon für uns verwandelt, da gibt es gar keinen Vorwurf von uns", meinte Weltmeister-Torwart Manuel Neuer.

Weder seine eigene Elfmeter-Parade in der Schlussphase, noch Robert Lewandowskis Siegtor in der 74. Minute reichten dann letztlich, nachdem die Münchner das Hinspiel 0:1 verloren hatten. "Ich denke, dass uns allen ein bisschen die Worte fehlen nach so einem Spiel", meinte Neuer. "Es ist bitter, dass man mit so einem Spiel ausscheidet", konstatierte Kapitän Philipp Lahm.

Mit fulminantem Fußball hatten die Bayern das Abwehrbollwerk von Atlético ins Wanken, aber nur fast zu Fall gebracht. Nach Real Madrid (2014) und dem FC Barcelona (2015) scheiterte Guardiola mit den Bayern auch 2016 an einer spanischen Mannschaft. Nun kann sich der Katalane maximal mit dem Double (Meister und Pokalsieger) aus München verabschieden. Im Endspiel trifft Atlético am 28. Mai in Mailand auf Real Madrid oder Guardiolas künftigen Verein Manchester City.

Druck aufs Atlético-Tor


Guardiola setzte in seinem letzten Champions-League-Heimspiel mit den Bayern auf Erfahrung und große Namen: Die Weltmeister Müller und Jérôme Boateng sowie Flügelflitzer Franck Ribéry kehrten im Vergleich zum Hinspiel zurück in die Startelf. Und anders als in Madrid waren die Bayern von der ersten Minute an präsent, mit jeder Minute steigerten sie den Druck aufs Atlético-Tor. Mit Wucht zog das Guardiola-Team über die Flügel mit Lahm und Douglas Costa auf rechts sowie David Alaba und Ribéry auf links sein Spiel auf.

Eine Standardsituation sorgte fürs 1:0. Nach einem Foul an Alaba vollendete Alonso den Freistoß aus rund 18 Metern zur Führung. Dabei schoss er José Maria Giménez durch die Beine, Oblak war bei dem abgefälschten Ball machtlos. Nur drei Minuten später verursachte Giménez einen Foulelfmeter, als er Javier Martínez in Ringkampf-Manier festhielt und zu Fall brachte. Aber Müller scheiterte mit seinem halbhoch geschossenen Elfmeter an Oblak, es war sein dritter Fehlschuss im zehnten Versuch in der Champions-League.

Zunächst verkrafteten die Bayern auch den Fehlschuss noch. Von Atlético war in der ersten Halbzeit bis auf einen Versuch von Kapitän Gabi nach einer Viertelstunde nichts zu sehen. Und dann das, nicht mal zehn Minuten nach dem Wiederanpfiff: Boateng löste sich aus der Defensive auf Höhe der Mittellinie, der Ball landete bei Fernando Torres, der einen brillanten Pass auf Griezmann spielte. Der Franzose, auf gleicher Höhe wie Alaba, ließ zuerst dem Österreicher im Laufduell und dann Neuer im Tor nicht den Hauch einer Chance bei seinem siebten Champions-League-Tor in dieser Saison.

Neuer hält Elfmeter


Guardiola versuchte seine Mannschaft von der Seitenlinie anzutreiben. Auf dem Feld scheiterten aber nacheinander zunächst Alonso und auch Lewandoswki, immer wieder entzauberte Oblak die Münchner. Beim Treffer des Polen auf Vorlage von Arturo Vidal war aber auch er geschlagen. In der brutal nervenaufreibenden Schlussphase hielt auch Neuer die Bayern weiter im Rennen. Nach einem Foul von Martínez an Torres vor der Strafraumlinie entschied der Referee Cüneyt Cakir auf Strafstoß, der Gefoulte scheiterte aber am Bayern-Keeper. Es nützte den Münchnern auch nichts mehr.
Der Fußball ist manchmal extrem gemein.Thomas Müller
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.