Fußball
Der Fifa-Wahnsinn geht weiter

Joseph Blatter hat eine persönliche Bereicherung in seiner Zeit als Fifa-Präsident stets bestritten. Der Untersuchungsbericht des Fußball-Weltverbands kommt zu einem ganz anderen Ergebnis. Bild: dpa
 
Ex-Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke (links) und der ehemalige Fifa-Finanzdirektor Markus Kattner sollen sich dubiose Millionen-Boni gegenseitig zugeschanzt haben. Dies geht aus einem Untersuchungsbericht des Fußball-Weltverbands hervor. Bild: dpa

Korruption und kein Ende: Der von Skandalen erschütterte Fußball-Weltverband ist in die Offensive gegangen und wirft Blatter Bereicherung im großen Stil vor. Auch dessen Nachfolger Infantino steht unter Beschuss und bekam vom IOC die Quittung.

Zürich/Lausanne. WM-Bonuszahlungen in astronomischer Höhe, saftige Gehaltserhöhungen und rechtswidrige Vertragsabschlüsse: Ein Funktionärs-Trio um "Alleinherrscher" Joseph Blatter hat sich bei der Fifa offenbar wie in einem Selbstbedienungsladen um mehr als 79 Millionen Schweizer Franken (umgerechnet 71,3 Millionen Euro) bereichert. Das gab der Fußball-Weltverband nach einer internen Untersuchung am Freitag selbst bekannt, nachdem Schweizer Ermittler tags zuvor erneut zur Razzia in die Fifa-Zentrale auf dem Zürichberg eingerückt waren.

Blamage für Infantino


Die von der Fifa angetretene Flucht nach vorn hatte aber womöglich auch einen anderen Hintergrund: Blatters Nachfolger Gianni Infantino muss sich nach nicht einmal 100 Tagen im Amt schon Vorwürfen wegen angeblich unsauberer Amtsführung erwehren. Dafür erhielt der Schweizer am Freitag vom Internationalen Olympischen Komitee eine sportpolitische Ohrfeige. Entgegen den üblichen Gepflogenheiten wurde Infantino wie auch Sebastian Coe, der Präsident des ebenfalls tief in Skandale verstrickten Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, von der IOC-Exekutive nicht für die Aufnahme in das IOC vorgeschlagen.

Die dubiosen Machenschaften Blatters und seiner Gefolgsleute werden indes immer deutlicher. Blatter, der frühere Generalsekretär Jérôme Valcke und der ehemalige Finanzdirektor Markus Kattner sollen sich über Jahre hinweg in großem Stil bereichert haben, nur ein kleiner Kreis war in die fragwürdigen Vorgänge involviert, wie aus den veröffentlichten Unterlagen des Weltverbandes hervorgeht. Die Fifa hat das Material bereits an die Schweizer Bundesanwaltschaft und die US-Justizbehörde weitergeleitet.

Die Schweizer Behörden wurden auch schon tätig. Bereits am Donnerstag durchsuchten die Ermittler Büros in der Fifa-Zentrale. "Konkret wurden Dokumente und elektronische Daten sichergestellt, die nun auf ihre Relevanz geprüft werden", erklärte die Bundesanwaltschaft, die seit September 2015 gegen Blatter wegen des Verdachts der Untreue und seit März dieses Jahres gegen Valcke wegen des Verdachts der mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesorgung ermittelt.

Die von der Fifa vorgelegten Zahlen haben es in sich. So haben sich Blatter und Co. regelmäßig Bonuszahlungen zugeschanzt. Beispielsweise wanderten am 1. Dezember 2010 als Bonus für die WM in Südafrika insgesamt 23 Millionen Schweizer Franken auf die Konten von Blatter, Valcke und Kattner. Schon ein Jahr später waren es 26 Millionen Schweizer Franken für die Endrunde 2014, obwohl das Turnier in weiter Ferne lag. Nur ein kleiner Kreis hatte dabei Kenntnis von den Zahlungen, mitunter wurden die Verträge gegenseitig bewilligt.

Auch Scala genannt


Auch der Name des jüngst zurückgetretenen Chefaufsehers Domenico Scala taucht auf. Der Schweizer hat am 31. Mai die Vertragsverlängerung von Kattner um vier Jahre mit abgesegnet. Scala war jüngst zurückgetreten, nachdem das Fifa-Council durch eine umstrittene Reform seinen Machtbereich eingeschränkt hatte. Daraufhin waren Komplott-Vorwürfe gegen Infantino laut geworden. Wie die "Die Welt" berichtet, droht Infantino eine provisorische Sperre von 90 Tagen wegen des Verdachts auf verschiedene Ethikvergehen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Blatter (3)Fifa (27)Infantino (2)Kattner (1)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.