Fußball
Eklat mit Nachspiel

Leverkusens Trainer Roger Schmidt (links) diskutiert während der Partie gegen Borussia Dortmund mit dem vierten Offiziellen Christoph Bornhorst. Als ihn Schiedsrichter Felix Zwayer später auffordert, den Innenraum zu verlassen, weigert sich der Fußball-Lehrer. Bild: dpa

Das bizarre Kräftemessen zwischen Referee Zwayer und Bayer-Coach Schmidt beim Bundesliga-Spitzenspiel der Leverkusener gegen den BVB sorgt für lebhafte Diskussionen. Dem Fußball-Lehrer droht eine Sperre. Zudem wird auch gegen Sportdirektor Rudi Völler ermittelt.

Leverkusen. Roger Schmidt und Rudi Völler sind zu Fällen für die DFB-Justiz geworden. Nach der bislang in der Bundesliga-Historie einzigartigen Spielunterbrechung beim 0:1 im Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund wird ein schnelles Urteil des Kontrollausschusses noch in dieser Woche erwartet. Vor allem die Weigerung des Fußball-Lehrers Schmidt, den Anweisungen des Schiedsrichters Folge zu leisten und den Innenraum zu verlassen, sorgte für Empörung.

Neben Schmidt wird auch gegen Völler ermittelt. Wie der Coach soll der Weltmeister von 1990 eine Stellungnahme abgeben. Herbert Fandel, Vorsitzender des DFB-Schiedsrichterausschusses, zeigte sich auch am Tag nach dem Eklat fassungslos: "Wir haben gestern den Tiefpunkt einer leider erheblich negativen Entwicklung erlebt."

Prognosen über ein mögliches Strafmaß für Schmidt sind mangels Präzedenzfall spekulativ. Die DFB-Ausbildungsordnung sieht für solche Fälle Strafen von Verwarnungen über Geldstrafen bis hin zum befristeten "Verbot zur Ausübung der Trainertätigkeit (Sperre) bis zur Höchstdauer von zwei Jahren" vor.

Erst am Tag nach dem Eklat waren die Leverkusener bemüht, die Wogen zu glätten. "Ich werde mich zu diesem Thema nicht äußern. Es ist dazu viel gesagt - Qualifiziertes und Unqualifiziertes", sagte Bayer-Geschäftsführer Michael Schade. Er habe mit Trainer Schmidt besprochen, das Geschehen öffentlich nicht weiter zu kommentieren: "Wenn es etwas gibt vom DFB, werden wir uns äußern."

Am Abend zuvor ging es weniger diplomatisch zu. So dürfte der nur bedingt reumütige Auftritt von Schmidt rund eine Stunde nach dem Spiel kaum dazu beigetragen haben, die DFB-Juristen zu besänftigen. Zwar räumte er ein, seiner "Vorbildfunktion als Trainer nicht gerecht geworden" zu sein und sich "zu stur" verhalten zu haben, erneuerte aber seine Kritik an Schiedsrichter Felix Zwayer.

Der Coach stellte indirekt einen Zusammenhang her zwischen der fast zehnminütigen Spielunterbrechung und einer Fehlentscheidung von Zwayer wenige Minuten nach Wiederanpfiff der Partie bei einem Handspiel des Dortmunder Sokratis im Strafraum. "Dass der Schiedsrichter bei freier Sicht diesen Elfmeter nicht pfeift, vielleicht auch, weil ich vorher zu emotional war. Ich hoffe nicht, dass es so war, aber mir fällt keine andere Erklärung dazu ein." Zwayer gab nach Spielende zu, in diesem Fall falsch gelegen zu haben.

Auch der Wutausbruch von Völler beim TV-Sender Sky, der schon kurze Zeit später im Internet zu einem echten Klick-Hit wurde, verbesserte die Leverkusener Verhandlungsposition eher nicht. Völler sieht die Leverkusener in der Opferrolle: "Ich weiß, die Schiedsrichter werden sich wieder alle gegenseitig in Schutz nehmen. Jeder wird sagen, unser Trainer hätte vom Platz gehen müssen." Auf Fragen nach den nun drohenden Konsequenzen reagierte der Sportdirektor gar sarkastisch: "Ich weiß nicht, ob der Herr Zwayer nun gesperrt wird. Dass kann ich mir nicht vorstellen."

Als Konsequenz aus den Vorfällen appellierte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge erneut an die Verbände, den Videobeweis einzuführen.
Wir haben gestern den Tiefpunkt einer leider erheblich negativen Entwicklung erlebt.Herbert Fandel, Vorsitzender des DFB-Schiedsrichterausschusses
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