Fußball
Elfmeter-Frage bleibt

Frankfurt. Nein, richtig zum Feiern ist Bernd Hölzenbein nicht zumute. Auch am Mittwoch, wenn der Fußball-Weltmeister von 1974 seinen 70. Geburtstag begeht, wird er wieder sehr viel an seine Frankfurter Eintracht denken. "Natürlich mache ich mir Sorgen", sagte Hölzenbein. Die sportliche Talfahrt der Hessen, die sich am Sonntag auf dem Relegationsplatz 16 stehend von Trainer Armin Veh getrennt hatten, beschäftigt die Club-Legende sehr. Als Chefscout und Berater des Vorstandes ist er immer noch nah dran an seinem Herzensverein, für den er in 420 Spielen 160 Tore erzielt hat - und damit weiter den Club-Rekord hält. Hölzenbein und die Eintracht - das ist eine Verbindung fürs Leben.

Eine Riesensause zu seinem runden Geburtstag gibt es nicht. Stattdessen wird er mit seiner Frau Jutta ins Ausland reisen und an seinem Geburtstag abends ganz gemütlich essen gehen. "Nur wir zwei, darauf freue ich mich sehr." Doch auch in der Fremde werden ihn die Glückwünsche erreichen und sicherlich auch wieder die eine oder andere Frotzelei. Schließlich ist der Name Hölzenbein nicht nur mit seinen vielen Toren für die Eintracht, mit den drei DFB-Pokalsiegen 1975, 1976 und 1981 sowie dem Uefa-Cup-Sieg 1980 gegen Borussia Mönchengladbach verbunden.

Nein, wer an Bernd Hölzenbein denkt, der denkt vor allem an diese Szene im WM-Finale 1974 gegen die Niederlande, als er in der 24. Minute auf der linken Seite in den Oranje-Strafraum eindringt, der Niederländer Wim Jansen zur Grätsche ansetzt und Hölzenbein zu Fall kommt. Die Folge: Elfmeter für Deutschland, 1:1-Ausgleich durch Paul Breitner und am Ende Weltmeistertitel für Deutschland.

Es ist die Fragen aller Fragen, die Hölzenbein seitdem sein Leben lang begleitet. War es ein Strafstoß? "Egal, wo ich bin, das kommt immer als erstes", berichtet Hölzenbein, den die ständige Konfrontation mit dieser Szene eine Zeit lang sehr genervt hat.

Inzwischen geht er lockerer mit dem Thema um. "Ein Elfmeter war es auf jeden Fall, der Schiedsrichter hat ja gepfiffen." Aber lag der britische Referee Jack Taylor mit seiner Entscheidung auch richtig? Hölzenbein muss schmunzeln. "Sagen wir es mal so: Es war ein Foul, aber keines, das mich heute noch beeinträchtigt."

Vize-Präsident und Manager


Der WM-Titel von 1974 war aber ungeachtet der Diskussionen um die berühmte Szene für Hölzenbein das größte Erlebnis seiner Karriere. Nach seiner aktiven Laufbahn blieb er der Eintracht als Vize-Präsident und Manager erhalten, erlebte mit der launischen Diva vom Main Höhen und Tiefen. Hölzenbein genoss das magische Dreieck um Uwe Bein, Andreas Möller und Anthony Yeboah, litt mit dem Team bei der verpassten Meisterschaft 1992 in Rostock und geriet im Steuerprozess um Yeboah ernsthaft in die Bedrängnis. Doch so wie "Holz" stets für die Eintracht da war, war der Verein auch für ihn da.
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