Fußball-EM 2016
50 Jahre Schmerz vergessen

Wayne Rooney steht mächtig unter Druck. Nach einer durchwachsenen Saison bei Manchester United steht er nicht nur bei den englischen Medien unter strenger Beobachtung. Bild: dpa

50 Jahre ohne Titel, noch nie ein EM-Eröffnungsspiel gewonnen: Trotz aller schlechter Vorzeichen startet das junge englische Team voller Zuversicht ins Turnier. Der kritisierte Wayne Rooney muss liefern. Ein Deutscher beim Auftaktgegner Russland bereitet Sorge.

Marseille. Ein halbes Jahrhundert voll Schmerz soll für Wayne Rooney & Co. endlich genug sein. Im Jubiläums-Sommer des letzten Titels glauben die Three Lions dank ihrer Top-Talente bei der EM in Frankreich - wieder einmal - an die ganz große Chance. "Es ist jetzt 50 Jahre her, dass wir die WM gewonnen haben und diese Zeit ist für Englands Fußball zu lang", tönte Kapitän Rooney vor dem Auftakt gegen Russland am Samstag (21.00 Uhr/ZDF) in Marseille. "In naher Zukunft wollen wir das ändern."

Nicht zuletzt das "Wunder von Berlin" mit dem begeisternden 3:2 im Test bei Weltmeister Deutschland und eine perfekte Qualifikation haben die Euphorie angefacht. Bei den heimischen Buchmachern liegt das junge Team im Rennen der Titelkandidaten hinter Gastgeber Frankreich, Weltmeister Deutschland und Titelverteidiger Spanien sogar auf Rang vier. Gegen Russland um Schalke-Profi Roman Neustädter muss England allerdings seine Auftaktpanik ablegen und im neunten Anlauf erstmals ein Eröffnungsspiel gewinnen.

"Die erste Partie ist gewaltig wichtig", betonte Rooney, nachdem es zuletzt bei der WM 2006 zum Start einen Sieg gab. "Jeder sagt, dass du das erste Spiel nicht verlieren willst. Aber der Unterschied, wenn du gewinnst, ist riesig. Die Jungs brennen darauf, und ich kann es nicht erwarten."

Doch vor allem die Rolle des Anführers wirft Fragen auf. Die angestammte Position des 30-Jährigen im Zentrum besetzt Premier-League-Topstürmer Harry Kane (22 Jahre). Auch die Youngster Dele Alli (20) und Raheem Sterling (21) konnten offensiv zuletzt überzeugen. "50 Jahre Schmerz - und wir begeistern uns immer noch für dieses Team", schrieb der "Telegraph".

Gegen Russland dürfte Trainer Roy Hodgson voraussichtlich Jamie Vardy von Meister Leicester City aus dem Team nehmen, um seinen Kapitän nicht zum Auftakt bloßzustellen. "Rooney weiß, dass er bei diesem Turnier liefern muss, nachdem er seit der EM 2004 immer enttäuscht hat", schrieb die "Times".

Sorge vor den Deutschen


Im Duell des zweitjüngsten Teams des Turniers mit der zweitältesten Auswahl will die Hodgson-Elf ihren Schnelligkeitsvorteil ausspielen. Sorge bereitet den englischen Medien der eingebürgerte Roman Neustädter, der vor seinem Pflichtspiel-Debüt für die Sbornaja steht. "Russlands neueste Rekrutierung wird versuchen, eine der goldenen Fußball-Regeln zu übertragen: Dass die Deutschen die Engländer immer schlagen, wenn es zählt", prophezeihte die "Daily Mail".

"Ich hoffe, ich kann der Mannschaft Glück bringen gegen England", sagte der Schalker, der aufgrund der jüngsten Verletzungssorgen ins Team rücken könnte. "Es wird schwer. Sie haben ein sehr gutes Team, mit guten jungen Spielern, die diese Saison starke Leistungen gezeigt haben, zum Beispiel bei Tottenham oder Leicester."

Zugleich hofft der 28-Jährige aber auch auf mögliche Nervosität bei den klar favorisierten Engländern. "Man weiß nie, wie sie in die EM starten, weil es ein junges Team ist ohne allzu große Erfahrung", sagte Neustädter. Seinen Pass hatte der in der heutigen Ukraine geborene Profi erst wenige Tage vor Turnierbeginn erhalten.

Für Russland wäre gerade mit Blick auf die Gastgeberrolle bei der WM 2018 ein Scheitern in der Vorrunde peinlich. Bei England muss Hodgson mindestens das Achtelfinale erreichen, um seinen Job zu sichern.

Rooney weiß, dass er bei diesem Turnier liefern muss, nachdem er seit der EM 2004 immer enttäuscht hat.Die englische Zeitung "Times"
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