Fußball-EM 2016
Angst vor neuen Fan-Krawallen

Eigentlich sollte bei der Europameisterschaft der Fußball im Mittelpunkt stehen. Das aber ist nach den Gewaltexzessen von Hooligans am ersten EM-Wochenende vorbei. Die Uefa schickt eine letzte Warnung an den russischen Fußball-Verband.

Paris/Berlin. Bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich wächst vor den nächsten Risikospielen die Angst vor neuen Fan-Krawallen. Die Behörden verschärften nach den Gewaltexzessen englischer und russischer Hooligans ihre Sicherheitsvorkehrungen. Die Uefa zeigte dem russischen Verband vor dem nächsten Spiel der Russen am Mittwoch die dunkelgelbe Karte. Sollten russische Fans nochmals durch Gewaltakte auffallen, wird das Team disqualifiziert.

Die Androhung gilt nur für Ausschreitungen innerhalb des Stadions und nicht für Hooligan-Aktionen außerhalb der EM-Arenen. Dies sehen die Disziplinarregeln der Uefa so vor. Russische Anhänger hatten am Samstagabend englische Fans im Stadion von Marseille kurz vor Ende des Spiels attackiert. Das Exekutivkomitee hatte allerdings bereits am Sonntag eine Warnung ausgesprochen, dass ein Turnierausschluss auf Grundlage der Verbandsstatuten auch droht, wenn es nochmals zur Ausschreitungen in Spielorten kommen sollte.

Die gleiche unmissverständliche Botschaft erhielt auch der englische Fußballverband, dessen Fans an den Straßenschlachten in Marseille am vergangenen Wochenende ebenfalls beteiligt gewesen waren.

Russland spielt am Mittwoch (15 Uhr) in Lille gegen die Slowakei. England trifft 24 Stunden später im benachbarten Lens auf Wales. Im Norden Frankreichs könnte es den nächsten brenzligen Zusammenstoß englischer und russischer Hooligans geben. Wegen der beängstigenden Szenen im Stadion von Marseille verhängte die Disziplinarkommission der Europäischen Fußball-Union (Uefa) auch eine Geldstrafe in Höhe von 150 000 Euro gegen Russland. Der russische Verband will gegen das Urteil keine Berufung einlegen, wie der russische Sportminister Witali Mutko sagte.

Russischer Fan-Bus gestoppt


Die französische Polizei stoppte am Dienstag bei Cannes einen Bus mit russischen Fans. Der Gruppe von 29 Personen drohe die Ausweisung, hieß es bei der zuständigen Präfektur des Départements Alpes-Maritimes in Südfrankreich. Einige der mutmaßlichen Hooligans seien in Abschiebehaft gekommen.

In Lens sollen 2400 Sicherheitskräfte für einen reibungslosen Ablauf des britischen Duells England gegen Wales sorgen. Das erklärte ein Sprecher der Präfektur des Départements Pas-de-Calais. Schon vorher war für die Spieltage in Lens der Verkauf von Alkohol zum Mitnehmen eingeschränkt worden. Zu der Partie am Donnerstag (15 Uhr) erwarten die Behörden zwischen 40 000 und 50 000 britische Fans in Lens. Ins Stadion passen insgesamt nur rund 35 000 Zuschauer.

Als Risikospiel wegen gewaltbereiter Fans galt bereits vor EM-Beginn auch das Spiel Deutschland gegen Polen am Donnerstag (21 Uhr). Die Bundespolizei will Hooligans, die zur Partie in Paris unterwegs sind, möglichst schon an der Grenze stoppen. Dazu werde der Informationsaustausch mit ausländischen Behörden verstärkt, sagte ein Sprecher der nordrhein-westfälischen Bundespolizeidirektion Sankt Augustin.

Die Polizei kann Fans, die als gewaltbereit eingestuft sind, aber nicht einfach so an der Ausreise hindern. Es komme auf andere "gerichtsfeste Faktoren" an, wie etwa die Ausrüstung oder auffälliges Verhalten, sagte der Sprecher. Neben den Grenzen zu Belgien und den Niederlanden würden auch die Flughäfen in den kommenden Tagen weiter verstärkt überprüft. Ebenso seien Zivilstreifen in den "Thalys"-Zügen nach Paris unterwegs.
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