Fußball-EM 2016
Bangen um Boateng

Kann Jérôme Boateng am Sonntag gegen die Slowakei wieder so artistisch retten, wie im ersten Spiel gegen die Ukraine? Der Einsatz des deutschen Abwehrchefs ist weiter offen. Bild: dpa

Er ist einer der Anführer im Nationalteam: Weltmeister Jérôme Boateng ist bei der EM so wichtig wie nie. Vor dem Achtelfinale gegen die Slowakei muss Bundestrainer Joachim Löw ein Risiko genauestens abwägen.

Évian-les-Bains. Flankiert von Arzt und Physio strampelte Jérôme Boateng auf dem Fahrradergometer. Bei den dosierten Belastungen wichen "Doc" Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und Christian Huhn im Fitness-Zelt nicht von der Seite des verletzten Abwehrchefs. Jede Bewegung wurde beobachtet, jede Maßnahme wird mit den Medizinern abgestimmt. Vor dem Achtelfinale am Sonntag (18.00 Uhr/ZDF) gegen die Slowakei werden Bundestrainer Joachim Löw, der medizinische Stab und der Spieler selbst die knifflige Entscheidung fällen müssen: Soll Boateng in Lille auflaufen? Oder schont Löw die Führungskraft besser für ein mögliches großes Viertelfinale gegen Italien oder Spanien?

Schlüsselspieler Boateng


Die Szenen vom Freitag im Stade Camille Fournier, in dem der 27 Jahre alte Boateng später auf einem Nebenplatz auch noch einige Laufrunden an der Seite von Fitnesscoach Shad Forsythe drehte, hob den besonderen Stellenwert des 62-maligen Nationalspielers hervor. Der Innenverteidiger hat seine Rolle als Schlüsselfigur für Löw durch bislang starke EM-Auftritte untermauert.

Beim 2:0 gegen die Ukraine wurde Boateng nach einer spektakulären Rettungstat mit Landung im eigenen Tor als Athlet gerühmt. Nach dem 0:0 gegen Polen rüttelte er mit gewohnt ruhiger Stimme, aber doch sehr klaren Worten das Team wach. Und seit seiner Auswechslung beim 1:0 gegen Nordirland sorgen sich nicht nur die DFB-Verantwortlichen um die Wade des Defensiv-Stars. Für die Fans ist Boateng zu einer Kultfigur aufgestiegen - und das als Verteidiger. Wie wenige Weltmeister ist Boateng in der Fußball-Nationalmannschaft kaum zu ersetzen. Seine ohnehin schon große Popularität schnellte beim Turnier in Frankreich weiter in die Höhe.

"Kein falscher Ehrgeiz"


Bloß nichts riskieren müsste Löws Maxime lauten. Denn auch der Bundestrainer weiß: Eine Verschlimmerung der Muskelverletzung würde mit ziemlicher Sicherheit das Turnier-Aus für Boateng bedeuten. "Das Wichtigste ist, dass er in seinen Körper hineinhorcht und in engem Austausch mit der medizinischen Abteilung steht", empfahl Teamkollege Manuel Neuer und warnte: "Falscher Ehrgeiz ist der falsche Ratgeber."
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