Fußball-EM 2016
Belgien: "Heimspiel" in Lille

Für die belgischen Fans ist das EM-Viertelfinale gegen Wales fast ein Heimspiel, denn der Spielort Lille liegt nur knapp 20 Kilometer von der belgischen Grenze entfernt. Bild: dpa

Belgiens Hochbegabte wollen endlich mal wieder in ein Halbfinale. Das Team um Eden Hazard und Kevin De Bruyne wird von Wales und dessen Stürmerstar Gareth Bale gefordert. Ein Sieg wäre vor allem für den in der Heimat so oft kritisierten Trainer Marc Wilmots eine Genugtuung.

Lille. Es wird eng für Belgien im Viertelfinale der Fußball-EM gegen Wales. Im Spiel im Stade Pierre Mauroy möglicherweise - und auf jeden Fall in Lille. Die nordfranzösische Stadt, nur knapp 20 Kilometer von der belgischen Grenze entfernt, erwartet einen Ansturm von möglicherweise über 100 000 Fans. "Wenn es 100 000 Karten gäbe, wäre es auch ausverkauft", sagte Trainer Marc Wilmots vor dem Spiel am Freitag (21 Uhr/ZDF). "Wir haben drei gute Spiele abgeliefert, jetzt herrscht Stimmung im Land. Da werden ganz viele kommen." Aber nur 12 000 Anhänger haben einen Platz in der Arena ergattert.

Es ist quasi ein Heimspiel für die Roten Teufel - und besonders für Eden Hazard. Der Star vom FC Chelsea startete seine Profikarriere einst beim OSC Lille, wurde dort Meister und Pokalsieger, ehe er 2012 für 40 Millionen Euro zum FC Chelsea in die Premier League wechselte.

"Ich kenne die Stadt, ich habe riesige Lust darauf. Es wird eine große Party mit vielen Fans", sagte Hazard. Der 25-Jährige hatte wegen einer Oberschenkelzerrung drei Tage pausiert, war am Donnerstag aber beim Abschlusstraining dabei. "Ich fühle mich gut, habe heute Morgen mittrainiert und keine Schmerzen. Und wir haben ja noch über 24 Stunden bis zum Spiel", sagte der Kapitän.

Dafür musste das belgische Team einen weiteren Ausfall hinnehmen: Abwehrspieler Jan Vertonghen knickte in der letzten Minute der Übungseinheit um und zog sich einen doppelten Bänderriss zu. Für den Profi von Tottenham Hotspur ist das Turnier beendet, Jordan Lukaku soll für ihn gegen Wales einspringen.

Nach dem leichtfüßigen 4:0 im Achtelfinale gegen Ungarn hatte Wilmots, der frühere Schalke-Profi, bereits von einem Finale gegen Deutschland geträumt: "Das wäre genial. Die spielen so ein ähnliches System wie wir." Die großen Erfolge liegen schon etwas zurück. 1972 war Belgien EM-Dritter, 1980 Zweiter, 1986 WM-Vierter. Vor zwei Jahren in Brasilien scheiterte die Mannschaft von Wilmots im Viertelfinale mit 0:1 an Argentinien.

Jetzt soll es für die Roten Teufel noch sehr weit gehen. "Wenn man im Viertelfinale steht, dann will man auch das Maximum erreichen", sagte Wilmots. "Wir kennen Wales sehr gut. Sie haben sich sehr gut entwickelt und mit Aaron Ramsey und Gareth Bale zwei absolute Top-Spieler in ihrem Team." In der EM-Qualifikation war Belgien gegen die Waliser zu Hause in Brüssel nicht über ein 0:0 hinausgekommen und hatte in Cardiff mit 0:1 verloren. Real Madrids Stürmerstar Bale traf damals. "Bale agiert in einer freien Rolle. Mal ist er auf dem Flügel und mal ist er im Sturm zu finden", warnte Wilmots. "Wir können nur erfolgreich sein, wenn wir ihn im Kollektiv verteidigen."

Wir haben drei gute Spiele abgeliefert, jetzt herrscht Stimmung im Land.Der belgische Nationaltrainer Marc Wilmots
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