Fußball-EM 2016
Brutale Jagdszenen

Das Auftakt-Wochenende der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich wurde von Ausschreitungen gewalttätiger Fans überschattet. Sogenannte Anhänger traten aufeinander ein, so wie hier nach der Partie zwischen England und Russland in Marseille. Bild: dpa

Nicht die Terrorangst, sondern Hooligan-Gewalt beunruhigt zum EM-Start. Die Uefa droht England und Russland mit dem Ausschluss. Auch deutsche und ukrainische Randalierer sorgen für hässliche Bilder.

Marseille/Nizza. Nach den brutalen Jagdszenen von Marseille und Nizza hat die Uefa England und Russland einen Turnierausschluss angedroht. Sollte sich die Fan-Gewalt vom Wochenende wiederholen, müssen beide Mannschaften mit der sofortigen Heimreise von der EM in Frankreich rechnen, teilte in die Europäische Fußball-Union am Sonntag nach einer Krisensitzung ihres Exekutivkomitees mit.

Für hässliche Bilder sorgten auch Hooligans aus Deutschland vor dem ersten Spiel der Nationalmannschaft am Sonntag in Lille gegen die Ukraine. Rund 50 Deutsche griffen ukrainische Fans an, wie der Sprecher der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) der Polizei Nordrhein-Westfalen, Jens Schabacker, sagte. Französische Beamte hätten die Auseinandersetzung schnell beendet.

EM-Ausschluss droht


Die Uefa ließ keinen Zweifel an ihrer Entschlossenheit. Man werde "nicht zögern", weitere Sanktionen gegen England und Russland zu verhängen, "inklusive der möglichen Disqualifikation der betreffenden Teams vom Turnier, sollte sich die Gewalt wiederholen", hieß es in dem Uefa-Statement.

Terrorangst im Hintergrund


Die Randale in den südfranzösischen Metropolen hatte den Auftakt der EM überschattet und große Sorge um die Sicherheit bei dem Mammut-Turnier ausgelöst. Mit Entsetzen reagierten Politiker und Turnier-Verantwortliche auf die Ereignisse um vornehmlich russische und englische Fans am Samstagabend. Die Behörden zählten mindestens 44 Verletzte und berichteten von zahlreichen Festnahmen. Die Hooligan-Gewalt drängte für den Moment sogar die Terrorangst in den Hintergrund.

Der englische Verband bekam noch am Sonntag Post von der Uefa. Laut Statuten kann das Exekutivkomitee Warnungen aussprechen, die bis zu einem Turnierausschluss führen können, wenn sich Vorfälle auch außerhalb der Stadien wiederholen. Diese Drohkulisse hatte die Uefa im Jahr 2000 gegen England nach Krawallen im belgischen Charleroi aufgebaut. Die Disziplinarregeln sehen sonst nur Strafen für Fehlverhalten in und direkt um das Stadion vor.

Russland war wegen Fan-Vergehen ähnlicher Art bei der EM 2012 mit Geldstrafen und einer Androhung von Punktabzug belegt worden. Bei ihrer Urteilsfindung schauen die Uefa-Richter auch auf das Verhalten innerhalb der vergangenen fünf Jahre.

Die Polizeipräfektur in Marseille, wo ein Brite lebensgefährlich verletzt wurde, vermeldete insgesamt 35 Verletzte und zehn Festnahmen. Diese Zahlen scheinen angesichts der Bilder von wilden Prügelszenen und Tränengas-Einsatz der Polizei noch sehr gering. Aus Nizza meldeten die Behörden am Vorabend der Partie Nordirland gegen Polen Fan-Krawalle, die von 20 bis 30 einheimischen Ultras provoziert worden seien. Die Bilanz dort: Neun Personen mussten ins Krankenhaus, drei weitere wurden festgenommen.

Wilde Prügeleien


In Marseille war es den dritten Tag in Serie zu Gewalt gekommen. Im Stadion eskalierte die Situation kurz vor dem Abpfiff: Augenscheinlich russische Anhänger gingen auf englische Fans los, die in benachbarten Blöcken saßen, und prügelten wild auf diese ein. Dabei flüchteten die Attackierten über Zäune in den Innenraum. Russland steht als WM-Gastgeber 2018 besonders im Fokus. Bislang hatten die Funktionäre Fan-Gewalt als Problem im heimischen Fußball zurückgewiesen.
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