Fußball-EM 2016
Das größte EM-Turnier aller Zeiten startet

Jetzt sind alle im EM-Fieber: Die Elefantenkuh Mogli und ein Wärter präsentieren sich in Hamburgs Zoo Hagenbeck mit den deutschen Nationalfarben als Fans der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Die EM wird heute Abend mit dem Spiel Frankreich gegen Rumänien eröffnet. (Foto: dpa)

Die größte EM der Turnier-Geschichte macht Lust auf einen spannenden Fußball-Sommer. Doch die Angst vor dem Terror im Gastgeberland Frankreich sorgt auch für mulmige Gefühle bei Spielern wie Fans.

Paris. Jetzt rollt endlich der Ball! Aller Terrorangst zum Trotz rückt mit dem Anpfiff der Europameisterschaft in Frankreich der Fußball in den Mittelpunkt. Nicht nur im deutschen Quartier am Genfer See wächst bei Bundestrainer Joachim Löw und seinen zur nächsten Titeljagd bereiten Weltmeistern die Ungeduld vor dem Start der XXL-EM. 24 Mannschaften, 51 Spiele in 30 Tagen: Das größte Kontinentalturnier bricht alle Rekorde und soll in schwierigen Zeiten zu einem Symbol für ein friedliches Europa werden - mit der Krönung des neuen Europameisters am 10. Juli im Stade de France.

"Ich bin der Überzeugung, und vertraue darauf, dass in Frankreich sehr viel getan wird für unsere Sicherheit", sagte Löw. "Ich fahre ohne Angst nach Frankreich und nach Paris. Ich möchte das Thema Sicherheit auch nicht mehr ständig bei der Mannschaft thematisieren."

Die französischen EM-Organisatoren und die durch den Rücktritt ihres Präsidenten Michel Platini geschwächte Uefa beschäftigt der Spagat zwischen Sicherheitssorge und Fußball-Freude. "Wir haben ein großes Ziel. Unabhängig von allen Vorfällen der Vergangenheit, wollen wir uns darauf konzentrieren, ein großes Ereignis zu veranstalten", sagte Cheforganisator Jacques Lambert vor dem Eröffnungsspiel des Gastgebers gegen Rumänien im Stade de France - dem Ort, an dem am 13. November 2015 vor den Augen der DFB-Elf die Anschlagsserie begann, die die EM schwer belastet.

Zwei Sicherheitsringe


In den zehn Spielorten Bordeaux, Lens, Lille, Lyon, Nizza, Marseille, Paris, St. Etienne, Saint-Denis und Toulouse gelten wie in den 24 Team- Basecamps allerhöchste Sicherheitsvorkehrungen. Im ganzen Land sind neben 90 000 Polizisten und Soldaten auch 12 000 private Sicherheitsleute im Einsatz. Zuschauer müssen zwei Sicherheitsringe passieren, um in die Stadien zu gelangen. Es ist die größte Sicherheitsoperation der Nachkriegsgeschichte innerhalb Frankreichs. Doch die Organisatoren wissen auch: Komplette Sicherheit gibt es nicht. Weiche Angriffsziele wie die Pariser Metro oder Touristenhotspots an der Seine sind nicht zu hundert Prozent zu kontrollieren. Die gute Nachricht lautet vor dem Anpfiff: Die Geheimdienste haben keine Hinweise auf konkrete Anschlagsszenarien. Darauf müssen Offizielle, Spieler, Trainer und die Hunderttausenden Fans vertrauen. Denn: Die Fußball-Freude soll im Mittelpunkt stehen bei der größten Jagd nach dem Coup Henri Delaunay in der Turniergeschichte seit 1960, als ebenfalls in Frankreich nur vier Nationen erstmals um den EM-Pokal spielten und am Ende die UdSSR gewann. Deutschland ist als Weltmeister logischer Titelanwärter neben Gastgeber Frankreich und Titelverteidiger Spanien. "Deutschland zählt immer zum Favoritenkreis. Von uns erwarten immer alle, dass wir weit kommen, um den Titel mitspielen und den Titel gewinnen", sagte Löw, der nach Helmut Schön (1972/1974) der erste Bundestrainer werden könnte, der Welt- und Europameister wurde. Die Konkurrenz ist jedenfalls riesig. Frankreich macht sich unter Trainer Didier Deschamps große Hoffnungen auf den dritten Heimtriumph nach EM 1984 und WM 1998. Titelverteidiger Spanien will den historischen EM-Hattrick schaffen. England ist wieder erstarkt, Belgien ein heißer Geheimtipp.

Mauscheleien möglich


Ein Scheitern wie zuletzt 2004 in der Gruppenphase ist auch für Deutschland praktisch unmöglich, denn der neue Modus meint es gut. Auch die vier besten Dritten der sechs Gruppen kommen in die K.-o.-Runde. Der Achtelfinaleinzug wird damit zum Rechenexempel. Mehrere Tage müssen manche Teams noch nach ihrem letzten Gruppenspiel warten, bis sie ihr Turnierschicksal kennen. Mauscheleien zwischen zwei Teams zum Abschluss der Gruppenphase sind eher möglich als in dem klassischen, alten EM-Modus mit 16 Teams.

Ich bin der Überzeugung, und vertraue darauf, dass in Frankreich sehr viel getan wird für unsere Sicherheit.Bundestrainer Joachim Löw
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