Fußball-EM 2016
Das Tor des "Kaisers"

Jérôme Boateng hebt ab: Die Kollegen auf der Bank verfolgen brav aufgereiht die Jubelsprünge ihres Abwehrchefs. Bild: dpa

Endlich Torschütze! Nach bangen Tagen wegen einer Muskelverhärtung jubelt Jérôme Boateng über seinen ersten Treffer im Nationaltrikot. Die Wade hält, der Weltmeister freut sich schon jetzt auf den Viertelfinal-Klassiker. Löw ist erleichtert.

Lille. Die riesige Freude von Jérôme Boateng über den Premierentreffer entlud sich in einem gigantischen Jubelsprung. Der Abwehrchef sprintete nach seinem Führungstor im EM-Achtelfinale zur Trainerbank und schloss Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und Physio Klaus Eder in seine kräftigen Arme. Die beiden hatten den verletzten Weltmeister in bangen Tagen vor dem Spiel gegen die Slowakei (3:0) behandelt und diesen starken Auftritt des Anführers erst möglich gemacht. Der 27-jährige Boateng durfte sich bei seiner Auswechslung in der 71. Minute dann Extra-Beifall abholen.

Ecke, abgewehrt, aus dem Hintergrund müsste Boateng schießen, Boateng schießt - und dessen erstes Nationalmannschaftstor im 63. Länderspiel war nach acht Minuten der Partie am Sonntag in Lille perfekt. "Es wurde auch Zeit, dass er mal reingeht", sagte der Verteidiger, dessen Wade keine Probleme bereitete. Seine Auswechslung sei eine Vorsichtsmaßnahme gewesen. Beim wuchtigen Rechtsschuss hielt die rechte Wade wie in der gesamten Partie. Die Verletzung hatte ihn beim 1:0 im Gruppenfinale gegen Nordirland zur Auswechslung und danach zu einer Trainingspause gezwungen.

Erst im Abschlusstraining am Samstag kickte Boateng erstmals wieder in der Mannschaft mit. "Die Belastung war für ihn gut und notwendig vor dem Spiel", sagte Bundestrainer Joachim Löw, der seinen "Führungsspieler" gleich wieder in die erste Elf beorderte. In der Defensive ist der Innenverteidiger seit langem der Sicherheitschef. Wegen seiner klugen und präzisen Pässe in der Spieleröffnung wurde er von Kollegen Thomas Müller auch schon augenzwinkernd als "Kaiser" bezeichnet - in Anspielung an die Künste von Franz Beckenbauer. Und jetzt klappt endlich auch im Nationalteam das Toreschießen.

"Ein Tor wäre nicht schlecht, umso eher umso besser", hatte Boateng noch im EM-Trainingslager erklärt. Im fünften Länderspiel danach ging der Wunsch des früheren Torschützenkönigs - in der Jugend hatte er als Stürmer agiert - in Erfüllung. Die tagelange Ungewissheit über die Gesundheit machte das Tor für Boateng noch emotionaler. Diese Tage vor dem Spiel, in denen im deutschen Fußball wieder einmal um eine "Wade der Nation" gebangt wurde, unterstrichen nochmals Boatengs gestiegenen Stellenwert beim Weltmeister.

Es wurde auch Zeit, dass er mal reingeht", sagte der Verteidiger, dessen Wade keine Probleme bereitete. Seine Auswechslung sei eine Vorsichtsmaßnahme gewesen.Jérôme Boateng
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