Fußball-EM 2016
Deutschland locker und ohne Furcht

Es könnte richtig weh tun, am Samstagabend in Bordeaux: Mario Götze (weißes Trikot) und seine Teamkollegen haben aber auch etwas, was Mut macht. Ende März besiegten sie Italien in einem Testspiel in München mit 4:1. Bild: dpa

Der 2. Juli 2016 soll in die deutsche Fußballgeschichte eingehen. Käpt'n Neuer und seine Kameraden fühlen sich bereit zur Premiere gegen den Angstgegner. "Jeder ist heiß auf dieses Spiel", sagt Bierhoff. Aber was plant Löw? Er hat noch eine EM-Rechnung offen.

Bordeaux. Italien-Trauma? Italien-Fluch? Finito lautet die Antwort der aktuellen Weltmeister-Generation. Deutschlands Fußball-Asse um den unbezwungenen Torwartgiganten Manuel Neuer oder den super-coolen Champions-League-Sieger Toni Kroos lassen sich in ihrem Viertelfinal-Optimismus nicht von der düsteren deutschen Turniervergangenheit schrecken. "Zuversicht haben wir natürlich, wir wissen um unsere eigenen Stärken, die Mannschaft hat Selbstbewusstsein", erklärte auch der schon total fokussierte Joachim Löw gut 24 Stunden vor dem Anpfiff.

Der Bundestrainer wies noch einmal eindringlich auf die Stärken der Italiener hin. Seine Stars aber sind längst auf Sieg gegen den Angstgegner programmiert. "Italien ist verwundbar", erklärte Sami Khedira - basta! Der Italien-Experte möchte seine extrem geschätzten Vereinskollegen von Juventus Turin am Samstag (21.00 Uhr/ARD) in Bordeaux auf die Heimreise nach Bella Italia schicken. "Man spürt die Energie, und dass wir erfolgshungrig sind. Jeder hat das Ziel, dass wir Europameister werden wollen", sagte Mesut Özil am Freitagabend in Bordeaux. "Wir wollen beweisen, dass wir die Italiener schlagen können." Die erste Begegnung hatten beide Teams schon auf dem Rollfeld in Bordeaux, nachdem sie fast zeitgleich landeten.

54 Jahre dauert der Negativlauf der deutschen Nationalelf gegen die Squadra Azzurra bei WM- und EM-Endrunden schon an. Vier Niederlagen, vier Unentschieden, kein Sieg seit 1962. Aber Joachim Löws 23 EM-Spieler in Frankreich fokussieren sich allein auf die Aussicht, am 2. Juli 2016 die deutsch-italienische Turnierhistorie umschreiben zu können. "Warum sollte ich ein Italien-Trauma haben?", entgegnete der 26 Jahre junge Kroos locker.

Mit dem geheimen Abschlusstraining im Basisquartier in Évian, an dem am Freitagvormittag alle 23 Akteure teilnahmen, startete Joachim Löw den finalen Countdown für den geplanten Vorstoß ins Halbfinale gegen eine italienische Mannschaft. "Die Mannschaft hat konzentriert trainiert und die notwendige Lockerheit gezeigt", berichtete Löw. Das DFB-Team hat Respekt - "aber keine Furcht", wie Manager Bierhoff versicherte. "Italien wird der schwerste Gegner bis dato", prophezeite auch Sami Khedira.

Umgekehrt gilt jedoch dasselbe. "Sie sind die Nummer eins der Welt", erklärte Trainer Antonio Conte. Er und Torwartlegende Gigi Buffon kamen später zu ihrer Pressekonferenz und ließen damit Löw und Özil erstmal warten. "Es wird ein Spiel, bei dem es um Leistung, Blut und Tränen geht", klang Conte martialisch.

"Ein guter Zeitpunkt"


Thomas Müller, der Tor-Schreck in den Champions-League-Spielen des FC Bayern gegen Juventus Turin, sprach locker von einem "guten Zeitpunkt", dem Angstgegner zu begegnen, "weil wir gut in Form sind". Große Geheimnisse gibt es nicht voreinander. Trotzdem kann jedes Detail, jeder taktische Kniff, jede personelle Maßnahme entscheidend sein. Und Bundestrainer Löw will sich mit seiner ebenfalls gereiften Mannschaft nicht noch einmal wie beim Halbfinal-K.-o. 2012 dem Gegner zu sehr unterordnen.

Warum sollte ich ein Italien-Trauma haben?Toni Kroos
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